Rainer Merkel ging meist früh aus dem Haus in diesen drei Jahren. Er fuhr mit der U-Bahn durch Berlin und suchte sich einen Platz im Computerraum einer Universität. Wie damals, als er Psychologie studiert hatte. Er lebte ein ruhiges, stetes Leben. Ein junger Mann in Jeans und Jeansjacke, der seine Drahtbrille nicht einmal in der Disco abnimmt und immer noch aussieht wie einst als Student. Er war viel allein. Er stritt mit Personen, die es nur in seiner Einbildung gab

er schickte sie zu einem Therapeuten, den es ebenfalls nicht gab, alles nur, um zu erfahren, wer diese Figuren wirklich waren. Er machte das nicht erst seit drei Jahren, es war bereits sein zweiter Versuch.

Manchmal fühlte er sich kläglich. Es war irgendwie wahnsinnig und stand eigentlich in keinem Verhältnis zum Resultat.

Rainer Merkel tat die Arbeit eines Schriftstellers. Jetzt muss er auch einer sein.

Anfang Oktober sitzt Merkel auf dem Podium des Literarischen Colloqiums Berlin, neben ihm Joachim Bessing, ebenfalls Debütant. Es ist die erste Lesung, seit das Buch erschienen ist, Merkels erstes Buch. Das Jahr der Wunder.

Die ersten Kritiken waren gut. Ein Preis und die Besprechung im Literarischen Quartett warten. Der deutsche Literaturbetrieb hat Merkel den roten Teppich ausgerollt. Merkel hat ihn betreten. Doch schon in diesem Moment ist nicht mehr klar, was sich bewegt. Er oder der Teppich.

Der Teppich ist ein Fließband. Es läuft hinein in eine lärmende Maschine.