Drei Sterne im roten Michelin-Führer, das ist das Maximum. Das ist wie die Mitgliedschaft in einem Formel-1-Team, wie eine Heiligsprechung. In unserem Land existieren nur fünf Restaurants, deren Köche derart ausgezeichnet wurden. Zwei dieser Helden - Dieter Müller vom Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach und Jean-Claude Bourgueil vom Schiffchen in Düsseldorf - sind jetzt auf zusätzliche Weise geehrt worden, nämlich durch ein persönliches Kochbuch. Also ein Werk (dick und schwer und teuer), in dem nur der Autor und seine Gerichte zu Worte kommen (abgesehen von den Elogen außenstehender Kommentatoren).

Warum solche Bücher nicht zum Nachkochen durch Hobbyköche geschrieben, sondern als monumentale Selbstdarstellungen in den Orbit gebracht werden, habe ich hier schon mal erklärt: damit andere Köche vor Neid erblassen. Und es gibt keinen Zweifel, dass das bei den beiden vorliegenden Büchern nicht anders ist.

Die Lebensläufe des jeweiligen Küchenchefs werden mit einer an Personenkult grenzenden Lobrede gefeiert, um die mancher Nobelpreisträger die Kollegen von der kochenden Zunft beneiden könnte. Wehe dem Koch, der sich nicht schon als Krabbelkind auf den Knien des Großvaters hat fotografieren lassen! (Wobei seine Gedanken, wie könnte es anders sein, bei den Kupfertöpfen der Großmutter weilten.)

Selbstverständlich hatten beide Kochkünstler schon als Kinder innige Beziehungen zur Natur und ihren essbaren Produkten sowie den Ehrgeiz, durch deren Veredelung Ruhm zu erwerben. Der wird von der Gastronomiekritik unterschiedlich kommentiert. Bourgueil gilt als klassisch, also konservativ, während Dieter Müller die Avantgardisten auf seiner Seite hat.

Liest man beide Bücher gleichzeitig, sind die Unterschiede minimal und keineswegs typisch für diesen oder jenen Stil. Beide Köche schäumen ihre Saucen gern mit dem Mixer auf, was ich bisher für eine schlechte Angewohnheit unbegabter Kantinenköche hielt. Die Gerichte sind wie zu erwarten anspruchsvoll, das heißt kompliziert und selten ausführlich beschrieben. Zwar lobt Bourgueil die Delikatesse der dicken Bohnen, erklärt aber nicht, wie lästig (und notwendig) es ist, die Kerne zu enthäuten und zu halbieren.

Müller beschreibt ein Kuttelrezept, ohne die Garzeit zu präzisieren

doch das ist für Leute, die eine Hi-Fi-Anlage nach einer japanischen Gebrauchsanweisung montieren können, kein Problem. Größere Probleme machen die Inhaltsverzeichnisse, da sie nicht nach alphabetischen Stichwörtern geordnet sind.