Die CSU wittert eine neue Gefahr. Diesmal für die innere Sicherheit unserer Kinder. Sie heißt Harry Potter und kommt jetzt in die Kinos. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Benno Zierer fordert, der Kulturstaatsminister Nida-Rümelin möge gegen den Streifen einschreiten. Sein Vorwurf: Gefährlicher "Okkultismus". Sein Vorschlag: "Am besten wäre es, den Film in Deutschland nicht zu zeigen, bis wir wissen, welche Auswirkungen er in anderen Ländern hat."

Unterstützung könnte Zierer bei dem hannoverischen Pädagogikprofessor Reinhard Franzke finden. Der, immerhin ein erwachsener Mann, musste bei der Lektüre von Harry Potter-Büchern "mehrmals heftig brechen". Ernsthaft. Es waren Magier, Ekeltiere und Horrormonster wie Flubberwürmer und einbeinige Hinkepanke, die Franzke den Magen umdrehten. An Kinderseelen, warnt der Erziehungswissenschaftler, könnten J. K. Rowlings Fabeln noch weitaus schlimmeren Schaden anrichten: "Die Welt des Harry Potter ist die Welt der Geisteskrankheit und des Wahnsinns. Wie viele Psychiatriepatienten hört Harry Potter Stimmen von unsichtbaren Wesen, die ihn ängstigen und nachdrücklich zum Töten auffordern. Genau dies hört man immer wieder von Amokläufern, Triebtätern und Geisteskranken."

Tatsächlich wollen die Christdemokraten den unheimlich erfolgreichen Harry Potter-Film, der so wahnsinnig viele Kids begeistert, zum Thema in der Kinderkommission des Bundestages machen. Warum haben die CSU und Franzke uns nicht schon früher gewarnt? Welches Unheil wäre uns erspart geblieben, hätte jemand darauf hingewiesen, dass Pippi Langstrumpf in Wahrheit eine sozialrevolutionäre Terrorbande um sich scharte. Oder dass Aschenputtels Schwestern die Wegbereiterinnen des modernen Schönheitswahns waren, Selbstverstümmelung inklusive. Schnitzten die doch (würg!), nur um gesellschaftliche Anerkennung zu finden, an ihren Füßen herum.