die zeit: Herr Enders, Sie haben über 2200 Biologen, Mathematiker, Germanisten, Elektrotechniker, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler befragt - was hat Ihre Studie ergeben, lohnt sich die Promotion?

Jürgen Enders: Finanziell zahlt sich diese Bildungsinvestition nicht bei allen aus, dafür führt sie oft in inhaltlich interessante Arbeitsbereiche.

Die Promovierten sind hoch zufrieden mit ihrer derzeitigen Tätigkeit. Nur sieben Prozent würden nicht wieder promovieren. Generell gilt: Promovierte haben die besseren Aufstiegschancen. Sie machen nicht unbedingt Karriere aber häufiger. Der Doktortitel ist immer noch ein angesehener Abschluss auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

zeit: Und wie steht es mit dem Einkommen?

Enders: Hier gibt es große fachspezifische Unterschiede. Unter den Sozialwissenschaftlern verdienen die Promovierten auf lange Sicht im Schnitt immerhin 30 Prozent mehr als ihre Kollegen ohne Doktorhut. Auch promovierte Biologen, Elektrotechniker und Wirtschaftswissenschaftler verdienen etwas mehr, aber nicht Germanisten und Mathematiker.

zeit: Ist die Promotion nicht oft einfach eine Notlösung für Leute, die den Absprung von der Uni nicht schaffen?

Enders: Orientierungslosigkeit als Grund für die Promotion wurde überwiegend abgelehnt. Das gilt auch für Germanisten und Sozialwissenschaftler, denen ja oft nachgesagt wird, dass sie den Doktorandenstatus als Wartehalle missbrauchen. Die Mehrheit gibt als Motivation ein weitergehendes wissenschaftliches Interesse an. Insgesamt erhofft sich jeder Zweite verbesserte Berufschancen.