Islamabad Wäre Pakistan ein Mensch, dann müsste er wohl so aussehen: kräftiger Körperbau, aber die Muskeln hat er sich durch ein intensives Training zugelegt unsicherer Gang, den er gern durch entschlossenes Marschieren überspielt leicht schmuddelige Kleidung, aber durchaus fähig, zu gegebener Zeit zu glänzen vor allem aber einsam und zerrissen, daher immer in Gefahr, Obsessionen zu entwickeln, Gefahren, Feinde und Gegner zu wittern, wo keine sind. Und noch ein letztes Charakteristikum müsste man anführen: Was auch immer er tut, Pech verfolgt ihn wie eine unheimliche, hartnäckige Krankheit.

Alles in allem also möchte man nicht in der Haut dieses Menschen stecken.

Das sind natürlich keine hinreichenden Kategorien, um die politische Lage eines Staates zu analysieren. Aber doch trägt es dazu bei, Pakistan - nach dem vorläufigen Ende der großen Krise - zu verstehen. Das Land ist nämlich vor allem ein Mann: Pervez Musharraf, General und Präsident in Personalunion.

Er repräsentiert Pakistan wie kein anderer.

Pervez Musharraf - wer? Das ist keine despektierliche Frage, sie wurde ganz im Gegenteil bis vor kurzem häufig in den Gängen der Machtpaläste Washingtons gestellt. Pervez Musharraf? Ach ja, das ist doch "dieser Diktator aus Pakistan". Er herrschte über ein Land, das Politikwissenschaftler in ihren Seminaren schon als Modellfall für einen failed state darstellten. Weniger Wohlmeinende, wie der Erzfeind Indien, bemühten sich, Pakistan nach Kräften als Schurkenstaat zu beschreiben, in einer Gesellschaft mit Irak, Syrien, Nordkorea und wer sonst noch unter diese Kategorie fallen sollte. Pakistan war in der Tat ein einsames Land.

Dann kamen der 11. September, Osama bin Laden, die Taliban, Afghanistan.

Schnell holte man das Schmuddelkind aus seinem Halbschattendasein heraus. Die USA brauchten Pakistan, um ihre Kriegsziele zu erreichen: die Taliban vertreiben und Osama bin Laden schnappen.