Die Nachmittagstalkshow - immer wieder als Schmuddelformat abqualifiziert - entwickelt Kräfte echter Selbstreinigung. Da wurde eine Konfliktshow angekündigt, und man musste das Schlimmste befürchten: zwei Unglückswürmer, die es nicht mehr miteinander aushalten. Tränen, Flüche, ein tobendes Saalpublikum ... Doch dann kommt alles ganz anders. Statt auf eine Steigerung der Affekte setzt die Sendung Zwei bei Kallwass auf Beruhigung der Nerven.

Kompromiss statt Konfrontation. Ja, da steht wirklich ein verkrachtes Ehepaar, eine Mutter, die mit der Tochter nicht klar kommt, ein Freundinnenduo, das sich böse ist. Moderatorin und Psychologin Angelika Kallwass lässt die Verbitterten lange reden - sie stellt ihre Fragen sachlich und direkt, weder zu bohrend noch zu provokant. Klug lenkt sie den Erzählstrom. Am Schluss macht die Kallwass einen Vorschlag zur Güte. Und der ist weder abgeschmackt noch profimäßig verklausuliert, sondern ein Produkt der Geduld und des gesunden Menschenverstands. Den Eheleuten, die sich fremd wurden, rät sie: Schauen Sie einander an. Jeden Tag zweimal. Eine volle Minute. Danach lächelt sie und verbeugt sich anmutig - wie eine Geisha bei der Teezeremonie. Was das Ganze im Fernsehen zu suchen hat? Seelenschmerz, Bekenntnis, Reue. Ist das nicht viel zu intim? Das Fernsehen trägt längst zur Kommunikation auch ganz privater Probleme bei. Vor allem, wenn es Moderatoren so differenziert agieren lässt wie Angelika Kallwass - mit Lerneffekten für alle, sogar für die Daily Talks.

Zwei bei Kallwass läuft werktags auf Sat.1 um 14.00 Uhr