Osama bin Laden hat einen missverständlichen Namen. In der deutschen Internet-Gemeinde ist es ein beliebter Scherz, die englischsprachige Fahndungs-Website des FBI mithilfe eines Online-Dolmetschers zu übersetzen, wie ihn zum Beispiel die Suchmaschine Google anbietet. Solche Programme können nur Einzelwörter erkennen - und Namen nicht vom Fließtext unterscheiden: Bin heißt auf Englisch Behälter, und deshalb übersetzen sie Bin Laden als Sortierfach beladen.

Eine intelligente Übersetzung ist etwas anderes, sagt eine Gruppe Wissenschaftler am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken - und das nicht ohne Stolz. Sie haben Verbmobil entwickelt. Ein System, das imstande ist, die frei formulierte, spontane Sprache zu verstehen und zu übersetzen.

Neu ist dabei die Analyse der Sprachmelodie. Ob Räuspern oder ein Ähm: Das Programm erkennt Geräusche und sortiert sie aus. Den Satz Ja, ähm, wir können uns ja so am 7. Mai treffen übersetzt es korrekt: How about the seventh of May?

Wenn also ein japanischer Geschäftreisender, nennen wir ihn Herr Tsuboi, in Frankfurt landet, kann er problemlos sein Hotel finden. Herr Tsuboi ruft von seinem Handy aus Verbmobil und eine Taxizentrale an. Verbmobil stellt eine telefonische Dreierkonferenz her. Nun kann Herr Tsuboi auf Japanisch erklären, wohin die Reise gehen soll, die Dame in der Taxizentrale hört die deutsche Übersetzung und antwortet Herrn Tsuboi auf Deutsch, was dieser wieder auf Japanisch hört.

Verbmobil, sagen seine Erfinder, kann auch Mehrdeutigkeiten übersetzen. Sagt man etwa Wir brauchen noch einen Termin, misst Verbmobil die Sprechintensität und berücksichtigt die Intonation: Wird das Wort noch betont, lautet der Satz auf Englisch We need another appointment. Ist das noch unbetont, heißt es: We still need an appointment. Verbmobil soll sogar Emotionen wie Ärger oder Wut erkennen - und könnte so den Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung entsprechend warnen.

Das Projekt startete bereits 1993, finanziert durch das Bundesforschungsministerium und Industrieinvestitionen. Mittlerweile läuft der Prototyp von Verbmobil so zuverlässig, dass einige Funktionen schon zum Einsatz kommen: zum Beispiel in den Radios und Klimaanlagen der Mercedes-S-Klasse oder in sprachgesteuerten telefonischen Informationssystemen.

Projektmanager Reinhard Karger warnt allerdings vor zu großer Euphorie: Das lexikalische Wissen von Verbmobil beschränkt sich auf drei Themenfelder mit 10 000 Wörtern: Hotelreservierung, Reiseplanung und Terminverhandlung.