Die Welt ist in keinem guten Zustand. Deshalb hat Susan George, stellvertretende Vorsitzende des in Frankreich gegründeten globalisierungskritischen Netzwerkes Attac, ein Buch geschrieben, dass sie einen "fiktiven Report" nennt.

George schreibt aus der Sicht einer Kommission, die im Auftrag von Wirtschaftsbossen und Politikern über die Zukunft des Kapitalismus nachdenkt - das Ergebnis ist der Lugano-Report, der behauptet: Längst werden die Vorteile des kapitalistischen Systems durch dessen Nachteile aufgewogen. Die Finanzmärkte stehen vor dem Zusammenbruch, die Umwelt droht zu kollabieren.

Und weil nicht genug Platz für alle Menschen ist, formuliert die Kommission einen ungeheuerlichen Vorschlag: Der globale Kapitalismus sei nur zu retten, wenn die Weltbevölkerung auf vier Milliarden reduziert wird.

Schon bis zu diesem Punkt ist Susan Georges Pseudologik kaum zu ertragen.

Doch es kommt noch abstruser: Da die Genozidsysteme der Vergangenheit wie das Auschwitz-Modell zu primitiv, kostspielig und ineffizient waren, muss eine andere Lösung her. Die moderne Opferselektion soll nach Kriterien wie Inkompetenz, Armut und Faulheit, kurz: Verlierertum erfolgen. Kriege, Seuchen und Hungersnöte sollen den Vernichtungsprozess beschleunigen. Als geeignete Instrumente empfehlen sich Weltbank und Weltwährungsfonds, die diese Entwicklung mit Marktliberalisierungen ohnehin gefördert hätten.

Einerseits ist der Lugano-Report reine Fiktion. Andererseits sollen Daten und Fakten der Wirklichkeit entstammen - behauptet die Autorin. Den Beweis bleibt sie schuldig. Damit nicht genug: Offenbar hält selbst Susan George ihr Buch für missverständlich

denn sie erklärt es in ihrem Nachwort noch einmal. Dort bekennt sich die Autorin als Verfechterin des Klassenkampfs: "Es muss ihn geben, da es ums Überleben geht."