Thomas Straubhaar weiß, wie geschäftstüchtig seine Schweizer Landsleute sind. Die werden sich, so der Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsarchivs (HWWA), schnell darauf einstellen, dass die Eidgenossenschaft von Euro-Ländern umzingelt ist. Sobald Mark, Franc oder Lira zu Beginn kommenden Jahres in Euro umgetauscht sind, werden die Touristen in den großen Urlaubsgebieten zwischen Rheinfall und Matterhorn problemlos mit ihrer Heimatwährung bezahlen können. "Sie werden Euro sogar als Wechselgeld herausbekommen, weil die Kellner zwei Geldbörsen in der Tasche haben werden, eine für Schweizer Franken und die andere für Euro."

Ein ganz neues Währungsgefühl für die Bürger von Euroland. Wie in der Schweiz werden Reisende auch in Dänemark oder Polen die Rechnung im Hotel, Restaurant oder Supermarkt vielfach mit Euro begleichen können. Selbst die Briten wollen sich nicht ausschließen - dort sollen künftig sogar Parkautomaten auch Euro-Münzen akzeptieren. Was bisher nur die Amerikaner mit ihrem Dollar kannten, wird mit dem Euro auch für Europäer selbstverständlich werden: mit der eigenen Währung direkt im Ausland zu zahlen.

Eichels kühne Prognose

Ist der Euro also auf bestem Wege, sich gegen den Dollar durchzusetzen?

Werden die Verheißungen von Euro-Befürwortern wahr, und wird der Euro zu einer der Leitwährungen neben dem US-Dollar? Kann er ihn sogar als die Leitwährung in der Welt ablösen? Der Wettstreit zwischen den Währungen entscheidet sich nicht von heute auf morgen. Den Ausschlag gibt, da sind sich die Währungsexperten einig, wie kräftig die Volkswirtschaften in der Eurozone und in den USA in der Zukunft wachsen werden und wer zu Hause stabilere Preise vorzeigen kann. "Eine Währung", sagt der Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch, "muss sich den Status verdienen."

So war es sicher kühn, als Bundesfinanzminister Hans Eichel schon zu Beginn des Jahres bei einem gemeinsamen Euro-Werbeauftritt mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius die neue Währung zu einem "echten Konkurrenten" für den Dollar hochlobte. Ernst Welteke, der Präsident der Bundesbank, erinnert immerhin daran, dass es in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mehrere Jahrzehnte dauerte, bis der Dollar das britische Pfund als Leitwährung abgelöst hatte.

Die Funktion der Leitwährung hat sich in den vergangenen 30 Jahren wesentlich verändert. In dem 1944 in Bretton Woods vereinbarten Währungssystem war der Dollar der absolute Mittelpunkt. Er war, mit einem festen Preis ans Gold gekoppelt, der Fixstern, an dem sich alle übrigen Währungen orientierten. Wie stark die Stellung der US-Währung noch war, als das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse Anfang der siebziger Jahre zusammenbrach, zeigt, dass die Notenbanken damals weltweit 76,1 Prozent ihrer Devisenreserven in Dollar hielten.