Im Frühjahr waren da nur ein paar Wolken, im Sommer fing es an zu tröpfeln, und jetzt gießt es in Strömen. Ein Konjunktureinbruch ist wie ein Tiefdruckgebiet, und Deutschland liegt genau darunter. Die Wirtschaft stagniert, überall bauen die Unternehmen Stellen ab, für den Winter erwartet inzwischen sogar der Bundeskanzler mehr als vier Millionen Arbeitslose. Das ganze Land wird nass.

Aber nicht alle Ecken gleichermaßen. "Die einen haben ein solides Dach über dem Kopf, andere müssen sich mit einem dünnen Cape begnügen", sagt Adrian Ottnad, Ökonom und Regionalforscher am Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft. Während etwa Brandenburgs Wirtschaft in der ersten Hälfte dieses Jahres schon um 1,7 Prozent schrumpfte, verzeichnete Baden-Württemberg noch zwei Prozent Wachstum. Und während die Arbeitslosigkeit in Bremen bei 12,1 Prozent liegt, kommt Bayern mit fünf Prozent weg.

Deutschland, ungleich Wirtschaftsland. Der Abschwung trifft den Norden wie den Süden, den Westen wie den Osten. Überall sinken Umsätze und Gewinne. Aber manche Regionen können die Krise locker verkraften. In anderen stirbt dagegen die Hoffnung auf Besserung. "Die Erfahrung zeigt, dass sich in einer Rezession die Unterschiede zwischen den einzelnen Landesteilen noch verschärfen", sagt Wolfram Elsner, Regionalökonom an der Uni Bremen. Anders gesagt: Nicht Deutschland steckt in der Krise, sondern zum Beispiel der Norden Mecklenburg-Vorpommerns, der Osten von Sachsen, der Nordosten Bayerns oder das Ruhrgebiet. Die aber dafür richtig.

Die Stadt München bekommt den Abschwung vor allem dadurch zu spüren, dass die Unternehmen neue Mitarbeiter nun nicht mehr mit Kopfprämien suchen müssen. In Gelsenkirchen oder Dortmund dagegen konnten sich Tausende Arbeitslose während des letztjährigen Aufschwungs noch Chancen ausrechnen, demnächst einen Job zu finden - das ist jetzt vorbei. In weiten Teilen Baden-Württembergs herrscht nach wie vor fast Vollbeschäftigung, im Arbeitsamtsbezirk Neubrandenburg dagegen weiterhin Massenarbeitslosigkeit.

Längs und quer durch Deutschland ziehen sich ökonomische Abbruchkanten. Auf den ersten Blick trennen sie den Norden vom Süden und den Westen vom Osten.

Bei genauerem Hinsehen aber finden sich auch innerhalb der Großräume zahlreiche Berge und Schluchten. Zurückgebliebener Norden? Hamburg steht in seiner Wirtschaftskraft kaum schlechter da als München. Hoffnungsloser Osten?

In Jena und Dresden sind prosperierende Wachstumszentren entstanden.