Harry Potter resp. Joanne K. Rowling in allen Ehren, aber der wahre Kultautor dieses Jahres, zumindest hierzulande, heißt zweifellos Johann Heinrich Voß.

Noch ist (bis einschließlich Sonntag) die schöne Ausstellung der Eutiner Landesbibliothek und des Halberstädter Gleimhauses auf ihrer dritten Station, in Otterndorf bei Cuxhaven, zu sehen, da eröffnet auch schon die nächste Schau zum 250. Geburtstag des Dichters und legendären Odüßee-Übersetzers: in Göttingen, im Bücherschiff der Paulinerkirche, dem historischen Trakt der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek, mit Handschriften, Erstausgaben und Stichen. Und wieder gibt es einen Begleitband

darin ein treffliches Werkverzeichnis (von Christina Prauss) und die freimütige Fortsetzung der beliebten Debatte, wie demokratisch, republikanisch, jakobinisch der Dichter einer deutschen Marseillaise denn nun wirklich war (Adrian Hummel: Bürger Voß). Doch wenn Voß auch nicht bei Sievekings berühmtem Freiheitsfest 1790 an der Alster mittat, wie kürzlich von uns behauptet (ZEIT Nr. 23) und von dem bekannten Experten Hans-Werner Engels vor wenigen Tagen im Verlaufe eines schon jetzt legendären Schülerabends des Altonaer Christianeums auf das entschiedenste widerlegt - ein freierer Mann als sein langjähriger Weggefährte Fritz Stolberg war er allemal. Indeß: Auch des späterhin arg verfrommten Stolbergs wird in Göttingen gedacht, mit köstlichen Reliquien exklusiv aus der historisch-literarischen Sammlung des Grafen Franz zu Stolberg-Stolberg. (Paulinerkirche bis zum 20. Januar

Papendiek 14, Göttingen, Tel. 0551/39 52 12

Begleitband, hrsg. v. Elmar Mittler und Inka Tappenbeck

ISBN 3-930457-21-0, 298 S., Abb., 25,- DM)