Der Mann hat Power, keine Frage. Bald zwei Jahre steht Hartmut Mehdorn nun an der Spitze der Deutschen Bahn AG und hat in der relativ kurzen Zeit viel bewegt. Er weiß sich durchzusetzen, gegen die Gewerkschaften genauso wie gegen seinen Minister Kurt Bodewig. Auch im eigenen Haus hat er schon manchen weggebissen, den Chef des Aufsichtsrats und diverse Vorstände.

Die Begründungen überzeugen selten. Da baut der Personalvorstand die Zahl der Bahner drastisch ab, als Quittung dafür soll er jetzt gehen. Offenbar war er zu zimperlich, obwohl das Bahnpersonal schon knapp wird. Ein Bahnhof nach dem andern wird renoviert und mit viel Trara eingeweiht - jetzt kann der zuständige Vorstand seinen Hut nehmen.

Aber das ist noch nicht alles. Auch der Mann mit der Verantwortung für Investitionen ins Netz wurde geschasst, weil er die Millionen nicht schnell genug verbraten konnte. Hohe Bahnmitarbeiter haben sich korrumpieren lassen.

Private Wettbewerber klagen weiter über Behinderungen beim Netzzugang. Das künftige Preissystem wird heftig kritisiert. Und Anfang Dezember stehen wohl weitere delikate Personalentscheidungen an.

Mehdorn ist um seinen Job nicht zu beneiden. Den kleinsten Patzer legt man seiner Bahn als Grundübel aus, zu vielen muss er es recht machen. Eines allerdings kann man vom Bahnchef verlangen: dass er nicht Schaukämpfe um die Macht inszeniert, sondern Ruhe in seinen Laden bringt. Nicht die tödliche Ruhe der verschnarchten Bundesbahn. Aber ein Klima, in dem sich die Bahner hinter ihren Vorstandschef und damit hinter die Bahnreform stellen. Mehr Verkehr auf die Schiene heißt das vorrangige Ziel, richtig. Aber auf diesem Weg darf der Mann an der Spitze nicht wie ein Raubein agieren.