Es gibt überdem auch eine häuslich-einsame und eine häuslich-gesellige Schleckerei. Der häuslicheinsame Schlecker unterhält eine fortwährende Verbindung mit Küche, Keller und Vorratskammer

er meldet sich auf den ersten Blick durch verdorbene Zähne, geschwollene Augen, träumerisches Aussehen.

Die häuslich-gesellige Schleckerei dreht sich aber um jene neubeliebten Vesperbrote, welche eine armutselige Vornehmigkeit unter den Namen von thé dansant, thé dégoutant usw. in Umlauf gebracht hat. ...

Doch ungleich bedeutender in ihren Folgen ist jene mehr beachtete Schleckerei deutscher Gymnasiasten und Burschen, welche den an sich selbst so unerheblichen Rosinen und Mandeln den Spitznamen eines Studentenfutters erworben hat. Freilich ist die Schleckerei der studierenden Jugend, welche hie und da sogar mit dem sogenannten Rappenfutter sich begnügen muß, durchaus notgedrungen, da noch bis jetzt kein Menschenfreund die Mühe auf sich genommen, auf den deutschen Universitäten eine gründliche Verbesserung der Gast- und Kost-Häuser zu veranlassen. Die ungewöhnliche Ausartung der letztgenannten Anstalten zwingt denn freilich die Studierenden, zu allerlei Zuckergebäck und anderen Näschereien ihre Zuflucht zu nehmen, weshalb die Studierten von Schulen und Universitäten eine so von Grund aus verdorbene Verdauung hinwegzunehmen pflegen, daß ihnen späterhin weder Brunnenkur noch Reitpferd jemals zu einem gesunden und freudigen Leben verhilft. Wer wird verkennen, daß hierin der erste Beweggrund aller literarischen Fehden, Unzufriedenheiten und Parteisachen verborgen liege? ...

Wahrnehmungen dieser Art, und der Wunsch, jenen großen Übeln unserer Zeit so viel, als noch möglich sein mag, abzuhelfen, leiteten mich auf den Gedanken und erhielten in mir den Mut aufrecht, die Kochkunst in ihrem Geist aufzufassen und auf ihre echten Grundsätze zurückzuführen.

*

Über so banale Dinge wie Essen/Trinken/Kochen schreibt ein Zeitgenosse der Klassiker Goethe & Schiller? Wie soll er im Deutschland der Mehlschwitze bekannt werden? Und ist doch ein Buch, das in den Kanon klassischer Autoren deutscher Sprache gehört. Für Leute, die ohne Chichi kochen wollen