Brüssel Ein glatter Misserfolg war die Israel-Reise der Europäer. Ariel Scharon, der israelische Premierminister, wollte am Wochenende keinem der vier Emissäre der Union zuhören. Dem belgischen Premier Guy Verhofstadt und seinem Außenminister Louis Michel zürnte der Israeli, weil ein Brüsseler Gericht gern am nächsten Mittwoch Scharon vernehmen würde, wegen der Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila 1982. Javier Solana, der Hohe Repräsentant für die EU-Außenpolitik, und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi standen ohmächtig daneben. Vier gegen einen - und keine Chance.

Hätte ein einziger Europäer, zum Beispiel ein echter EU-Außenminister, der bisher im komplizierten Brüsseler Bauwerk keinen Platz hat, beim beinharten Scharon womöglich mehr Eindruck gemacht? Für die vier mag es nur ein schwacher Trost sein, dass auch US-Außenminister Colin Powell diese Woche bei den Israelis auf taube Ohren stieß. Immerhin dürfen die Europäer sagen: Wir haben ein gemeinsames Profil. Doch hat deswegen Europas Außenpolitik schon ein Gesicht? Anders gefragt: Braucht die Union in neuer Weltlage nicht endlich ihren Außenminister?

Die Antwort macht die Chefs verlegen: Ein wenig, gewiss doch. Darum die Erfindung des Hohen Repräsentanten vor zwei Jahren. Darum die veränderte Troika, zusammengesetzt aus dem Land, das im EU-Rat gerade den Vorsitz hat, flankiert vom EU-Kommissar für Außenbeziehungen und dem Hohen Repräsentanten des Rates. Louis Michel, Chris Patten, Javier Solana: Diese drei sollen für alle sprechen. Aber warum fuhr dann Verhofstadt mit Prodi nach Nahost, nicht aber Patten? Bei einer früheren Reise in die Region reiste neben jenen dreien auch der spanische Außenminister mit, weil sein Land von Januar an der Union vorsitzt. Dafür blieben Prodi und Verhofstadt zu Hause. Troika klingt elegant, ein flinkes Gespann. Tross wäre wohl treffender.

König für ein halbes Jahr Nicht genug, neuerdings bevorzugen Schröder, Chirac, Blair das Solo auf der Weltbühne oder tagen im exklusiven Kreis. Das erzürnt die "kleinen" Nationen, auch wenn sie in der Sache mit dem gescholtenen Direktorium einer Meinung sind. Der schlechte Stil schmerzt, nicht die Substanz.

Jeder Ratsvorsitzende ist König nur für ein Semester. Das zwingt zur Kontinuität und verführt zur Selbstinszenierung. Schließlich taucht ein Ratspräsident mit Zepter und Titel in den Nachrichten auf. Im Kreis der Außenminister spüren sie, dass die Troika kaum noch Zugkraft entwickelt. Und bald wird in einer Union mit 20 oder 30 Mitgliedern jedes Land nur noch alle 10 oder 15 Jahre glänzen. Reizlose Ewigkeiten für gewählte Politiker.

Kritisiert wird solche Komplexität nur hinter verschlossenen Türen.

Stattdessen retten sich die Verantwortlichen in den trefflichen Hinweis, Europa parliere und agiere heute gemeinsam. Anders als im Golfkrieg, da Frankreich den Amerikanern Überflugrechte verweigerte, oder im Kosovo-Krieg, den weithin die Amerikaner führten.