Unter Verschluss.

Amerikas Regierungsarchive sind seit Jahren ein Paradies für Historiker.

Jeder Schnipsel Papier aus dem Weißen Haus muss aufgehoben werden. Alles, was dort geschrieben wird, gehört dem Volk. Es darf nicht, wie in Helmut Kohls Kanzleramt in Machtanmaßung geschehen, zur "privatdienstlichen" Notiz umgedeutet und beim Regierungswechsel mit Kleinlastern entsorgt werden. Und spätestens nach zwölf Jahren Verschluss ist alles öffentlich. Dem Presidential Records Act verdankt Amerika zum Beispiel die Veröffentlichung der Kennedy-Tapes, jener Mitschnitte über die Beratungen während der Kubakrise. Mit solchen Krimis aus dem Weißen Haus ist es jetzt wahrscheinlich vorbei. George W. Bush setzt der Offenheit per Erlass ein, wie er sagt, "ordnungsgemäßes Verfahren" entgegen. Wissenschaftler und Journalisten sollen künftig begründen, warum sie ein Papier haben wollen. Der Präsident muss zustimmen und auch, sofern er noch lebt, der ehemalige Präsident, dessen Papiere gesichtet werden sollen. Ob es wohl ein Zufall ist, dass die ersten Präsidenten, die gemeinsam über der Frage der Aktenherausgabe brüten werden, ein Vater und sein Sohn sind und beide Bush heißen? Richard Reeves, Biograf der Präsidenten Kennedy und Nixon, hat seine Bücher jedenfalls vorsorglich ans Weiße Haus geschickt. Dazu eine Notiz an den Präsidenten, er solle die Bände gut aufheben, sie würden sicher demnächst wertvoll - wenn derlei Recherchen unmöglich sind.

Preis fürs Wissen.

ZEIT-Redakteur Martin Spiewak aus dem Wissen ist mit dem Arthur-Koestler-Preis 2001 ausgezeichnet worden. Damit ehrt die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben - in diesem Jahr erstmals - schriftstellerische oder journalistische Beiträge, die sich, wie es heißt, besonders eindrucksvoll mit dem Problem der Sterbehilfe, Sterbebegleitung sowie der medizinischen Behandlung am Lebensende auseinander setzen. Der ZEIT-Autor erhält den Preis für den Artikel Das lange Sterben des Walter K.

(ZEIT Nr. 17 vom 19. April 2001). Spiewak beschreibt in der Reportage das Schicksal eines siebzigjährigen Mannes, der sich mehr als zwei Jahre im Wachkoma befand.