Mit seinen Dollars könnte ein Amerikaner zwei Männer aus Süddeutschland retten - den Medienunternehmer Leo Kirch und den Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Wie das? Der Amerikaner überlegt, Geld ins deutsche Bezahlfernsehen zu stecken. Sein Name: John Malone. Sein Beruf: Tycoon und Chef von Liberty Media. Mit seinen Milliarden hat er sich schon an vielen Medienunternehmen beteiligt, unter anderem am Weltmarktführer AOL Time Warner. Jetzt will er die deutsche Fernsehlandschaft umkrempeln, hat zuerst das TV-Kabelnetz der Deutschen Telekom in 13 Bundesländern gekauft und sinniert nun öffentlich über einen Einstieg beim Fernsehsender Premiere. Aber: Beiden Geschäften muss das Bundeskartellamt zustimmen, das bisher immer verhindert hat, dass ein Konzern über Kabel und Inhalte gebietet.

Leo Kirch und Edmund Stoiber beobachten den Ausgang des Verfahrens angespannt, weil der eine in finanziellen, der andere in politischen Nöten steckt.

Es begann an einem Februartag dieses Jahres, als Erwin Huber, Chef der bayerischen Staatskanzlei, zum Telefon griff, um dem Medienunternehmer Leo Kirch dabei zu helfen, Geld für einen großen Deal aufzutreiben. So etwas ist durchaus üblich in München. Wie Huber bekannte, habe das Geschäft "den Einsatz der Staatsregierung notwendig" gemacht.

Doch Minister Huber bekam eine Absage - was nicht so üblich ist in München.

Am anderen Ende der Leitung saß HypoVereinsbank-Vorstand Dieter Rampl, der das Firmenkundengeschäft verantwortet. Und der - so erzählen es Mitarbeiter der Bank - wollte partout kein Geld hergeben für Kirchs Beteiligung an der Formel 1. Fürs Autorennen also. Zu viele Unwägbarkeiten, befand Rampl, der in der Bankenszene den Ruf genießt, auf prestigeträchtige Kunden lieber zu verzichten, als womöglich auf faulen Krediten zu sitzen. Leo Kirch blieb am Ende nichts anderes übrig, als sich persönlich ans Telefon zu hängen, bis er einen Geldgeber gefunden hatte, der ihm die fehlenden 2,2 Milliarden Mark lieh: die Bayerische Landesbank. So berichtete es später das Magazin Capital.

Wie viel gab die Landesbank?

Brisant ist der Milliardenkredit an Kirch, weil sich dessen Schulden immer höher türmen und es im täglichen Geschäft finster aussieht. Hat die Landesbank im Februar genau hingeschaut? Oder war die Kreditvergabe eine Mauschelei zwischen Privatunternehmer und staatlicher Macht zum möglichen Schaden der Steuerzahler? Dem Freistaat gehört die Hälfte der Landesbank, und damit müsste er auch die Hälfte aller Verluste tragen, sollte Kirch das Geld nicht zurückzahlen können. Dann bekäme auch Ministerpräsident Edmund Stoiber ein ernstes Problem.