Nun soll also - entgegen dem Globalisierungstrend - unsere Pflanzenwelt, die "Schatzkammer aller Menschen", renationalisiert werden, um daraus Geld für "Ursprungsländer" zu machen.

Kann mir bitte mal jemand erklären, wie das funktionieren soll?

Nehmen wir mal an: Ich patentiere Speisezwiebeln, die ich mit einem Gen aus einer wilden Zwiebelpflanze besonders aromatisiert habe. Sie schmecken super und werden ein Renner. Das Gen stammte aus einer wilden Allium-Spezies, deren natürliches Verbreitungsgebiet etwa zwischen Montenegro im Westen und Armenien im Osten liegt. Zuerst wissenschaftlich untersucht, beschrieben und katalogisiert wurde diese Pflanze - sagen wir mal - von einem holländischen Botaniker, der in k. u. k. österreichischen Diensten war.

Wem soll ich nun was zahlen? Den Griechen? Den Türken? Oder vielleicht doch lieber Albanien oder Armenien? Hinzu kommt: Die Pflanzen, denen ich das Gen entnommen hatte, stammten gar nicht von dort. Sie waren aus dem botanischen Garten in Wien, wo sie seit 200 Jahren stehen. Gesammelt wurden sie - sehr wahrscheinlich! - seinerzeit in der Nähe von Baku (Aserbajdschan). Dort aber sind sie seit 1890 ausgestorben.

Nehmen wir nun an, die Verträge sind perfekt, und das Geld ist geflossen.

Dann wird drei Jahre später ein kleines, isoliertes Vorkommen derselben Spezies bei Güssing im Südburgenland (Österreich) entdeckt. Können die Österreicher nun Nachforderungen stellen? Juristenbataillone, bitte antreten!

Prof. Kurt Aitzetmüller Direktor des Institute for Chemistry and Physics of Lipids, Münster