Da stehen sie in endloser Reihe in den Sportgeschäften: Skier, an der Spitze und den Enden breit, in der Taille schmal, die neue Generation der Carvingskier. Präsentiert von den Herstellern mit vollmundigen Parolen: Verspricht pure Carving-Performance - Signalisiert: Achtung Suchtgefahr - Verkörpert das Radical-Carve-System. Was steckt hinter diesen Versprechungen? Kann man als Durchschnittsläufer mit solchen als Raketen angepriesenen Skiern überhaupt fahren? Welches ist der richtige Ski für wen?

Und vor allem: Wie lang muss er sein?

Fragen über Fragen. Für die ZEIT der Anlass, eine Auswahl der Bretter der jetzt startenden Saison gründlich zu testen und die Aussagen der Produzenten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Eine Erprobung unter Alltagsbedingungen: Nicht die Profis, wie sonst üblich, mussten ihr Urteil abgeben, sondern diejenigen, die für die teuren Bretter in den Sportgeschäften zum Teil mehr als 1000 Mark hinblättern sollen. Deshalb hat die ZEIT 80 Durchschnittsfahrer im Alter zwischen 27 und 72 Jahren 12 Modelle von 4 Firmen unter die Lupe nehmen lassen.

Für den Verbrauchertest wurden unter den verschiedenen Skigattungen drei ausgewählt: Funcarver, Slalomcarver und Allroundcarver.

Ausgerüstet mit Stift und Testkarte und von ihren Skilehrern eingewiesen in die Carving-Technik, zogen die Hobby-Tester ihre Bögen. Neben den Werbesprüchen der Hersteller sollten sie Fahreigenschaften wie Kurvenverhalten und Kantengriff bewerten. Viele standen erstmals auf den taillierten Brettern. Und stellten fest: Vorurteile wie zu gefährlich oder nur für Cracks wurden schnell widerlegt. Eine weitere Erkenntnis: Auch im klassischen Stil lassen sich die neuen Skier prima um die Kurven drehen. Nach zwei Tagen Unterricht in der neuen Bogentechnik erlebte so mancher sein skifahrerisches Comingout. Die ziehen ja fast von selbst in die Kurve, man fährt mit weniger Kraftaufwand und man rutscht nicht mehr so viel weg waren die wichtigsten Urteile der Testfahrer.

Slalomcarver liegen vorn

Weniger gut kamen die flotten Werbesprüche weg. Zwar wurden Fachbegriffe wie Radius und Taillierung akzeptiert (die Taillierung entscheidet, wie weit der Kurvenbogen ist, den der Ski fährt). Starke Worte wie etwa Suchtgefahr (bei Heads Funcarver) oder Kultski (bei Kneissls Funcarver) fielen aber in der Bewertung schlichtweg durch.