Dumme Fragen sind manchmal die klügsten. Das musste auch jener Arzt erfahren, der auf dem Schweizer PubliForum für die Organspende warb. Nachdem er viele vernünftige Argumente vorgebracht hatte, wollte eine Zuhörerin schlicht wissen, ob er denn selbst einen Organspenderausweis habe? Als der Mediziner verneinte, war es um seine Überzeugungskraft geschehen.

Dieses Beispiel erzählen die Organisatoren der ersten bundesweiten Bürgerkonferenz am Dresdner Hygiene-Museum gerne, wenn sie nach dem Nutzen solcher Foren gefragt werden. Es zeigt, dass bei der Entscheidung über wissenschaftsethische Fragen - Organspende, Embryonenforschung, Gendiagnostik - nicht nur Fachwissen, sondern auch gesunder Menschenverstand zählt. Doch das Votum der so genannten Laien ist bislang kaum gefragt. Grundlegende ethische Probleme werden lieber an mehr oder weniger demokratische Expertengremien delegiert - obwohl auch sie oft zu keiner Einigung kommen.

Der Dresdner Modellversuch soll nun auch den Laien eine vernehmbare Stimme verschaffen. Zur Bürgerkonferenz "Gendiagnostik" wurden 19 Bürger nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, die sich in mehreren Sitzungen über Erbgutanalysen, Pränataldiagnostik und Gentests bei Embryonen informieren, dazu Experten befragen und am Ende versuchen - nach dem Vorbild eines Geschworenengerichts -, zu einem Votum zu kommen. Das Ergebnis wird kommenden Montag in Dresden vorgestellt.

Egal, zu welchem Urteil die Bürger kommen: Entscheidend ist, dass Politiker und Wissenschaftler die Dresdner Empfehlungen auch zur Kenntnis nehmen. Denn sie sind nicht nur ein Ausdruck von "Volkes Stimme"

die bisherigen Erfahrungen zeigen zudem, dass die Laien - wenn sie gut angeleitet werden - innerhalb kurzer Zeit die wesentlichen Grundfragen selbst komplexer Themen herausarbeiten und pragmatische Lösungen zeigen. In Dänemark dienen die Ergebnisse ähnlicher "Konsensuskonferenzen" sogar dem Parlament als Entscheidungshilfe. Auch in Deutschland könnte ein solcher Bürgerrat schneller zu einem unabhängigen Votum kommen als manch prominent besetzter Ethikrat.