Wie sieht das Profil der derzeit von der Biotechnologie gesuchten Mitarbeiter aus? Nicht nur gut ausgebildete Grundlagenforscher werden benötigt, sondern auch kompetente Produktmanager. "Es mangelt vor allem an Leuten mit Know-How im Vertrieb und Marketing. Das wird sich erst bessern, wenn die Betriebe stärker in die Ausbildung einbezogen werden", glaubt Marcus Kottmann vom Institut für Innovationsforschung der Ruhr-Universität Bochum. Die modernen Produkte müssen immerhin verkauft werden. "Die Wissenschaftler im Elfenbeinturm gucken oft verächtlich auf die Business-Leute herab, als ob das Geldverdienen etwas schlechtes wäre", sagt Dr. Reinhard Schneider, Vorstand für Informationstechnologie von der Biotech-Firma Lion aus Heidelberg. Den Forschern ist oft die Bedeutung der Profitabilität des Unternehmens gar nicht bewusst. Umgekehrt haben oft die Manager in den Firmen zu wenig Ahnung von der Biotechnologie. "Die Betriebswirte in diesen Unternehmen müssen unbedingt ein molekularbiologisches Basiswissen erhalten, damit sie die Produkte besser verstehen und verkaufen können", sagt Prof. Dr. Dodo zu Knyphausen-Aufseß, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre von der Universität Bamberg, der sich selber als "aktiven Unterstützer der Gründerszene sieht".

Vom Erfolg in der Branche hängt letztendlich auch ab, ob die Biotechnologie zu einer bedeutenden Jobmaschine wird. Derzeit sind die Wachstumsraten zwar durch die Börsenflaute etwas zurückhaltender, doch der Bedarf wird sicher weiter steigen. Zu verheißungsvoll sind die Möglichkeiten, viele Krankheiten mit gentechnologisch designten Medikamenten zu bekämpfen. Die Investoren wittern da einen großen Markt. "Durch die gedämpfte Euphorie an der Börse verschwand die Überbewertung der Biotechnologie-Titel und jetzt merke ich, dass der Wunsch darin zu investieren wieder wächst", sagt Silke Deichsel, die Geschäftsführerin der Fundamenta Gesellschaft für strategische Unternehmensentwicklung. Sie trimmt die Firmen soweit, dass sich venture-capital-Geber für die Newcomer interessieren. Deichsel hält die Biotechnologie gerade für die künftige Konkurrenzfähigkeit der Pharmaindustrie sehr entscheidend, weil nur durch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Bereichen langfristig Arbeitsplätze gesichert würden. Noch hätten viele Pharma-Hersteller gewisse Berührungsängste mit der Biotechnologie - vor allem in Deutschland. Die Zahlen sprechen für diese Zurückhaltung: Hierzulande werden derzeit 84 gentechnologisch hergestellte Präparate verkauft, davon stammen jedoch nur neun aus deutscher Produktion.

Dabei sind die Vorteile vom Einsatz der Biotechnologie vielversprechend. Durch den Einsatz von Computersimulationen werden die Produkte nicht nur spezifischer, es verkürzt sich voraussichtlich auch die Entwicklungsdauer von neuen Medikamenten - und das bedeutet Geld sparen. Bis ein Präparat heute in einer Apotheke verkauft wird, vergehen rund zehn Jahre und das verschlingt um die 500 Millionen Dollar. "Wir sind einfach bei vielen Schritten etwas schneller als die großen Pharmakonzerne wenn es darum geht, neue Wirkstoffe zu identifizieren", sagt die Biochemikerin Dr. Marianne Simonis-Redlin, Leiterin der Abteilung "Human Reseach Management" von Evotec BioSystems aus Hamburg. Stärker als bisher müssten die Pharmahersteller mit den Biotech-Unternehmen kooperieren. Manchmal kaufen die Pharma-Riesen einfach auch kleine innovative Firmen auf, doch dadurch leidet nicht selten die Kreativität bei neuen Entwicklungen. "Momentan beobachte ich, dass manchmal frustrierte Mitarbeiter aus dem Pharmabereich zu uns wechseln wollen", sagt Dr. Reinhard Schneider von Lion. Auch die Nahrungsmittelindustrie wird sich nach Ansicht der Experten künftig stärker mit der Biotechnologie befassen - durch die genetische Manipulation von Lebensmitteln könnten Krankheiten behandelt oder verhindert werden. Zunächst müssen allerdings die Verbraucher davon überzeugt werden, dass ihnen die Biotechnologie Vorteile bringt. Das Image der Branche ist heute bereits besser. Vor einigen Jahren titelte ein Nachrichtenmagazin noch "Gen-Fraß", kürzlich berichtete es über "Designer-Food". Ähnlich geht es dem Berufsbild: Als "Gen-Ingenieur" zu arbeiten, klingt einfach gut.