Berlin, Hotel Adlon 1999. Fünf junge Herren haben die Executive Lounge gemietet und reden drei Tage lang über sich. "Tristesse Royale" (Ullstein Verlag, 1999) lautet das in Buchform gepresste Ergebnis dieses Hotelgeplänkels. Als "popkulturelles Quintett" hatten sich die jungen Autoren in Quarantäne begeben, um die Leserschaft über ihre Sicht der Welt in Kenntnis zu setzen - als Plauderei verwöhnter bundesrepublikanischer Wohlstandserben geisterte dieses Werk anschließend noch lange durch die Federn der Rezensenten.

Eckhart Nickel, Jahrgang 1966 und Doktor der Philologie, war einer dieser Herren und somit Mitinhaber des dekadenten Jungschnösel-Images – darüber waren sich die Literaturkritiker einig. Über Nickels literarische Qualitäten waren sie geteilter Meinung. Für sein erzählerisches Debüt "Tristesse Royale" bedachten sie den promovierten Popkulturschaffenden nicht nur mit Lob und Lorbeer.

Unterschiedliche Bewertungen und Weltanschauung blieben Nickel erhalten. Bis zu seinem neuen Werk "Was ich davon halte" (Quadriga Verlag, 2001) habe sich wenig an Nickels Sicht der Welt geändert, so Thomas Kastura in der "Zeit". Blasiert und dekadent sei der Jungautor nach wie vor. Zum Flaneur fehle ihm aber die Oberflächlichkeit. Weniger zaghaft ist da das Wochenmagazin "Der Spiegel": Nickel habe weder was zu erzählen noch könne er es, bekam Nickel in einer Rezension zu hören.

Und wenn schon: Geboren in Frankfurt, Zivildienst auf der nordfriesischen Insel Sylt, Promotion über Thomas Bernhard, lange Ferien und ein Leben in Heidelberg – Eckhart Nickels Leben scheint bisher in angenehmen Bahnen verlaufen zu sein.

Was Eckhart Nickel davon hält, erfahren wir am Donnerstag, 29. November, ab 20 Uhr im Literaturhaus Hamburg und jederzeit in seinem Buch "Was ich davon halte"

Weitere Veröffentlichungen:

"Ferien für immer. Die angenehmsten Orte der Welt" (zusammen mit Christian Kracht, Kiepenheuer u. Witsch, 1998)
"Flaneur" : Die Ermöglichung der Lebenskunst im Spätwerk Thomas Bernhards (Manutius Verlag, 1997)
"Gebrauchsanweisung für Portugal" (Piper Verlag, 2001)