Es wird kalt, in Deutschland und in der Welt. Amerika, Japan und Deutschland stecken zum ersten Mal seit 1974 gleichzeitig in der Rezession. Die Bundesregierung, gerade in der Haushaltsdebatte unter Beschuss, fürchtet um ihren Wahlsieg. Die Institute senken die Wachstumsprognosen, manche Ökonomen sehen gar eine Depression wie nach 1929 voraus. Im Winter fangen die Menschen an zu frieren, in der Rezession bekommen sie Angst, das zeigen Studien vergangener Krisen. Wer optimistisch bleibt, den Aufschwung voraussagt, ist in der Minderheit.

Allerdings in einer Minderheit, die am Ende Recht behalten könnte. Der ökonomische Pessimismus spiegelt zwei tiefe Erschütterungen. Kaum wurde die New Economy ausgerufen, da gingen die ersten Internet-Unternehmen Pleite. Plötzlich glich der Begriff den Hamburger-Schachteln, die als Einziges von so mancher Dotcom-Firma übrig blieben. Sie waren leer. Der zweite Schock war der 11. September. Wer wollte danach behaupten, die Wirtschaft würde keinen Schaden nehmen? Auf einmal scheint alle Zuversicht aus der Welt zu sein. Wer als Wirtschaftsanalytiker etwas auf sich hält, ist jetzt Pessimist. Alles andere ist unmodern.

Unmodern? Das sei dummes Gewäsch, sagen die Kassandras, die meinen, Wirtschaftsforschung habe nichts mit Zeitgeist und alles mit Zahlen zu tun. Wer behaupte, dass die Krise so schlimm nicht werde, möge bitte entsprechende Indizien präsentieren.

Schauen wir also auf die Fakten. Tatsache ist, Deutschland steckt in einer Rezession. Die Frage ist: Wie schwer wird sie sein, wie lange wird sie dauern? Fakt ist weiter, nach Einschätzung etwa der Investmentbank Morgan Stanley: Die Amerikaner haben in den letzten Jahren direkt oder indirekt für über 40 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums gesorgt. Der Boom in den USA, der längste Aufschwung seit 150 Jahren, hat auch die Gewinne auf der anderen Seite des Atlantiks in die Höhe getrieben. Deshalb irrte Gerhard Schröder, als er den deutschen Aufschwung 2000 als hausgemacht pries. Und deshalb hat er Recht, wenn er jetzt, im Abschwung, sagt, das Schicksal der deutschen Wirtschaft hänge an den Amerikanern.

Genauer, es hängt an den amerikanischen Verbrauchern. Monatelang stützten sie die US-Wirtschaft, trotz der Dotcom-Pleiten. Bis zum 11. September. Nach den Anschlägen brachen die Indizes für das Konsumentenvertrauen ein - und bilden seitdem die Basis für eines der Hauptargumente der Pessimisten: Weil die US-Unternehmen im Internet-Boom ihre Investitionen übertrieben hatten, müssen sie jetzt sparen. Also muss erneut der Konsument her. Dabei übersehen die Pessimisten zwei amerikanische Namen weltweiter Bekanntheit: CNN und Alan Greenspan.

Dass die Terroranschläge und der Krieg in Afghanistan den Konsum lähmen würden, war abzusehen. Statt weiter einzukaufen, saßen die Amerikaner vor dem Fernseher - das ist der "CNN-Effekt", bekannt schon aus dem Golfkrieg. Als damals die Nachrichtensprecher Entwarnung gaben, standen die Leute wieder auf. Das scheint sich erneut abzuzeichnen. Die Taliban sind besiegt, die Regierung hat die Steuern gesenkt, die Aktienkurse steigen. Die Konsumenten kriegen langsam wieder Lust: Der Autoverkauf stieg im Oktober auf ein neues Rekordniveau.

"Globalisierung der Stimmung"