Für Robert Klotz, den Vertreter der Europäischen Kommission, waren es harte drei Stunden auf dem Podium in Bonn. Zwar ist er gestählt, wenn es darum geht, Kritik einzustecken. Doch derart harsche Angriffe verblüfften am Ende auch ihn. Sie kamen ausgerechnet aus jenen Kreisen, denen er als Wettbewerbshüter eigentlich helfen will: den Konkurrenten der Deutschen Telekom.

Ungewöhnlich deutlich formulierten die Vertreter regionaler und lokaler Telekommunikationsgesellschaften ihre Sorge: Sie fürchten, sich aufgrund der EU-Politik ein Milliardengrab zu schaufeln. Verkehrte Welt: Bislang waren derlei Anwürfe vorzugsweise aus den Reihen der Exmonopolisten in Europa zu hören. Inzwischen aber verstärkt sich auch bei einigen Kontrahenten der Verdacht: "Es wird nur Politik vom grünen Tisch aus gemacht", so Horst Schäfers, Geschäftsführer der Isis Multimedia Net, Düsseldorf.

Der Disput ist das Ergebnis einer inzwischen höchst komplexen Gemengelage auf dem deutschen Telefonmarkt. Einige Telekom-Rivalen, wie Isis oder NetCologne als regional agierende Gesellschaften, aber auch bundesweite Anbieter wie Arcor oder Colt, gingen mit ambitionierten Strategien an den Start. Sie steckten Milliarden in eigene Infrastrukturen. Andere investierten kaum. Von ihnen ist häufig nicht mehr als jene Nummer bekannt, die man vorab wählen muss, um von Fall zu Fall billig zu telefonieren.

Kein Wunder also, dass es bei einem solch zersplitterten Bild im fernen Brüssel an Durchblick mangelt. Und so fragt sich denn so mancher in der Branche, ob es wegen oder trotz EU mit dem Wettbewerb hierzulande weitergeht. Vor allem: Wird es auch in den Ortsnetzen noch zu einer Öffnung des Marktes kommen? Dort sitzt die Telekom nach wie vor wie ein Platzhirsch in ihren angestammten Gehegen.

Ein schwieriges Unterfangen. Denn die Regulierung im Fern-und Auslandsverkehr kann offensichtlich nur bedingt als Vorbild dienen. Dort lief die Sache - zunächst - perfekt. Die Tarife sanken im Sturzflug. Schließlich aber kam es zu ruinösen Preiskämpfen, in denen sich Telekom und Newcomer gegenseitig die Luft abzudrehen versuchten. Etliche der neuen Anbieter sind inzwischen pleite, wurden aufgekauft oder kämpfen ums Überleben. Die Entwicklung war programmiert.

Der deutsche Gesetzgeber wählte nämlich seinerzeit ein besonders radikales Marktmodell. Er wollte verhindern, dass lediglich einige wenige finanzkräftige Konzerne durchstarten; eben nur jene, die sich den Aufbau einer eigenen Infrastruktur leisten konnten. Auch kleine Newcomer erhielten deshalb eine Chance. Sie brauchten nur einen Rechner auf- und ein paar Informatikstudenten einzustellen - und schon brummte das Geschäft: allerdings nur im Call-by-Call-Verfahren und bei den Ferngesprächen.

Gleich Hunderte gingen an den Start. Die Telekom musste, sozusagen als Mutter aller Netze, ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen - zu amtlich verordneten Preisen, die fortan als Schmerzgrenze für alle Preiskämpfe fungierten. Von den staatlich regulierten Margen sollten alle gleichermaßen profitieren. Das taten sie auch. Vor allem jene, die kaum investierten. Weil sich deren Kunden aber als höchst flüchtig erwiesen, sanken die Tarife immer weiter - bis es allen richtig wehtat und etlichen schließlich das Geld ausging. Zu nachhaltigen Geschäftsmodellen hat diese Entwicklung bei den meisten Anbietern nicht geführt. Vor allem aber: Innovationen blieben aus.