Auf einem Silbertablett servierte Wirtschaftsminister Werner Müller seinem Kanzler die Idee: Einen eigenen Konzern für das Sorgenkind der bundesdeutschen Wirtschaftselite, für den Osten Deutschlands, wollte er schaffen. Mit Sitz in Berlin, Start schon 2003. Einen Energiekonzern in europäischen Dimensionen, eine neue Kraft, die neben Steuern und Arbeitsplätzen auch für Wettbewerb im liberalisierten Energiemarkt sorgen würde. Das war vor 20 Monaten.

Mittlerweile ist das Silbertablett abgeräumt. Aus der Fusion der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) mit den ostdeutschen Strom- und Braunkohlenunternehmen Veag und Laubag sowie dem Berliner Energieversorger Bewag zur drittgrößten Kraft am bundesdeutschen Energiemarkt wird nichts. Ihre starken Eigentümer, der schwedische Konzern Vattenfall AB und die US-amerikanische Mirant, haben die Vereinigungsgespräche Ende September verärgert abgebrochen. Die anvisierte gleichberechtigte Partnerschaft scheiterte am Führungsanspruch von Lars G. Josefsson, dem Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall. Die Verhandlungen seien für immer beendet, sagt Mirants Deutschland-Chef Jason Harlan. Bis die Bewag doch noch zu uns kommt, meint Vattenfalls Josefsson.

Mit zwei Millionen Kunden und einem dreistelligen Millionengewinn das eigentliche Objekt aller Fusionsbegierden, wollte die Bewag eine führende Rolle im neuen Energiekonzern spielen. Das aber gefiel Vattenfall nicht. Nun muss der schwedische Staatskonzern die neue Kraft allein aus den defizitären Unternehmen Veag und Laubag sowie den finanzklammen HEW zimmern. 50 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Braunkohle, das verlangt eine politische Auflage, muss das neue Unternehmen jährlich bis 2008 verkaufen. Aber an wen? Die zwei Millionen Bewag-Kunden jedenfalls sind weg. Und ein Großteil der Abnehmer im Osten Deutschlands wird von Unternehmen beliefert, die von den Energieriesen E.on und RWE dominiert werden.

Ärger könnte auch aus Hamburg kommen. Der neu gewählte Senat der Hansestadt besitzt eine Option, die Geld in die klammen Stadtkassen bringen soll. Macht der Senat davon Gebrauch, müsste Vattenfall umgehend die bisher von der Stadt Hamburg gehaltenen 25,1 Prozent Anteile am städtischen Energieversorger kaufen und bis Jahresende rund 1,7 Milliarden Mark auf den Tisch legen.

Derweil sind die Berliner erstarrt. Erneut ist die Ansiedlung eines Konzerns in der Hauptstadt gescheitert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würde zwar gern zum Vorteil der Bewag vermitteln. Doch da offiziell niemand mehr miteinander redet, gibt es auch nichts zu vermitteln.

Die Rückkehr der Monopole

Die Bewag selbst ist beleidigt. Verspielt ist der Quantensprung vom Stadtwerk zum europäischen Energiekonzern. Allerdings hält der hauptstädtische Energieversorger noch einige Trümpfe in der Hand. Das sind neben den zwei Millionen Kunden vor allem die Beteiligungsverhältnisse. Zum Beispiel eine komfortable Kaufoption auf rund 43 Prozent Anteile an Veag und Laubag. Die könnte die Bewag brauchen, schon allein wegen der modernen Veag-Braunkohlekraftwerke. Bewags eigener Kraftwerkspark ist schließlich alt.