Etwas Besseres als der Euro kann Gani Thaci gar nicht passieren. Noch im vergangenen Jahr wurde der Bruder des einstigen Guerilla- und heutigen Parteiführers Hashim Thaci bei einer Razzia in Prishtina mit einer Million Deutscher Mark in bar angetroffen. Die Herkunft des Geldes ist ungewiss. Im besten Falle stammte es von den Tankstellen, die sich die demobilisierten UÇK-Kämpfer gleich nach der Besetzung der Region durch die Nato angeeignet hatten. Aber das Kosovo ist auch Transitland und Drehscheibe für Waffen- und Zigarettenschmuggel, Frauenhandel und Falschgeld. Die Szene hat gute Kontakte. Der reichste Kosovare der Welt, Bexhet Pacolli, bemüht sich um eine Banklizenz. Berühmt wurde der Herr des Schweizer Baukonzerns Mabetex, als er Bestechungsgelder für die Kreml-Renovierung über sein Budapester Konto leitete und die Familie Jelzin mit Kreditkarten ausstattete.

Wenn der Euro auch auf den Balkan kommt, wird für Gani Thaci alles einfacher. Dann kann der Bargeldmillionär einfach in eine Bank in Prishtina gehen und dort ein Konto eröffnen. "Man wird ihn nach der Herkunft des Geldes fragen", sagt Mohamed Bouaouaja, von der Uno bestellter Chef der Bank- und Zahlungsbehörde des Kosovo, einer Art Zentralbank, "wie bei jeder Transaktion über 30 000 Mark." Doch Gani Thaci muss um eine Antwort nicht verlegen sein und kann zum Beispiel erklären, dass es sich um die Ersparnisse seiner weitläufigen Familie handelt, deren fleißige Söhne seit Jahren in Deutschland und der Schweiz viel Geld verdient und es nach albanischer Sitte beim Familienvater abgegeben haben. Dokumentieren können wird er bestenfalls seinen Namen: Im Kosovo wird seit jeher in bar bezahlt, und in allen Polizei-, Finanz- und Verwaltungsangelegenheiten schlug nach dem Abzug der Serben im Juni 1999 eine Stunde null. Eine neue Kosovo-Polizei wird gerade aufgebaut, Beamter wird man nach einem sechswöchigem Crashkurs.

Gani Thaci tut gut daran, sich für seine Kontoeröffnung die Micro Enterprise Bank auszusuchen. Nicht nur, weil sie das weitaus größte der fünf im Kosovo agierenden Kreditinstitute ist. Sie ist auch das seriöseste. Gegründet unter Beteiligung der Commerzbank, ist das von balkanerfahrenen Entwicklungshelfern geführte Unternehmen über jeden Korruptionsverdacht erhaben. Schöpft die Bank Verdacht, wie er im Fall des Gani Thaci wohl nicht abweisbar wäre, meldet sie den Fall weiter an die UN-Behörde von Monsieur Bouaouaja, die leitet ihn eventuell weiter an die Polizei. Doch selbst wenn diese wirklich ermittelte, käme wahrscheinlich nichts dabei heraus.

Konten für den Krieg geplündert

Der montenegrinische Wirtschaftswissenschaftler Nebojsa Medojevic hält den Euro-Umtausch für die "ideale Gelegenheit zur Geldwäsche". Zwar haben die meisten Notenbanken in der Region Vorschriften erlassen. Reiner Bargeldumtausch gilt als verdächtig; wer mehr als 10 000 Mark wechselt, muss in Bosnien, Montenegro und dem Kosovo ein Konto eröffnen. Aber unter Balkan-Bedingungen erreicht die Bestimmung - ersonnen für die Kreditkartengesellschaften des Westens - das Gegenteil. Trüge Gani Thaci für seine Million 500 000 Euro nach Hause, bliebe das Geld schwarz. Erst die Deklaration am Bankschalter führt es offiziell in den Kreislauf ein. Je seriöser die Bank, desto weißer wäscht sie.

"Warten Sie nicht bis zum 28. Februar!", steht auf Großplakaten der österreichischen Raiffeisenkasse am Stadtrand von Sarajevo, und in Belgrad plakatiert die Nationalbank: "Versuchen Sie es mal wieder mit Sparen - diesmal mit unserer neuen Garantie!" Doch die derart umworbenen Sparer sind misstrauisch. Wer vor 1990 so unvorsichtig war, seine Devisen zur Bank zu tragen, hat es bitter bereut: Alle neuen Vaterländer der früheren Jugoslawen plünderten die Konten, um ihre Kriege zu finanzieren. Erst in Kroatien und Montenegro hat gerade schleppend die Rückzahlung begonnen.

"Um Geld in die Banken zu ziehen, argumentieren wir vor allem mit der Sicherheit", sagt Peter Nicholl, ein Neuseeländer, der in internationalem Auftrag in Sarajevo die Notenbank leitet. Wer vor dem Krieg sein Geld auf der Bank hatte, hat es verloren, aber auch wer es zwischen den Springfedern des Sofas versteckte, kam nicht immer davon. In Bosnien durchsuchten im Krieg Plünderer die verlassenen Häuser, deren Bewohner sie vertrieben hatten, im Kosovo umzingelten Armee- und Polizeieinheiten ganze Dörfer und forderten Tribut in D-Mark. Der Umtausch könnte die Gier der Räuber noch einmal anstacheln, fürchten die Banker. Wer wie viel Geld zu Hause liegen hat, wird vor den Nachbarn verborgen. "Wird der Schatz zur Bank getragen und dort gewechselt, wird er zum ersten Mal wenigstens einem Fremden gezeigt", erklärt Nicholl die Ängste der Kunden. Für den Einzelnen gibt es vor allem im Kosovo, wo selbst Hauskäufe üblicherweise in bar abgewickelt werden, kaum Schutz. UN-Polizei und KFor-Truppen weigern sich, die Geldtransporte zu den rund um die Uhr von Security-Firmen bewachten Bankfilialen zu sichern. "Wir haben Eskorten angefordert", sagt der Micro-Banker Rolf Wonnemann in Prishtina. "Aber es hieß, das sei eine Privatangelegenheit."