Am Ende jeder Reise steckt es als ungeliebtes Souvenir im Gepäck: Kleingeld aus dem Urlaubsland. Keine Scheine, nur ein paar Münzen - weil der Lippenstift im Flughafen-Shop 56 Franc gekostet hat und sich im ganzen Laden nichts für den Gegenwert von 1,30 Mark finden ließ. Weil der Filius einen Notgroschen für Eiskäufe in der Jackentasche gehortet hat. Oder weil die Klofrau an der Autobahnraststätte, für die man eine Hand voll Kleinstmünzen aufbewahrt hat, im entscheidenden Moment nicht auf ihrem Posten saß. Also wohin mit dem ungeliebten Geld?

Wer während der nationalen Umtauschfristen nicht durch halb Europa reist, bleibt auf den Münzen sitzen. Schillinge, Francs, Lire und alle anderen Währungen der Eurozone tauschen Banken zwar noch bis Ende Februar 2002 in Euro um - aber nur, wenn es sich um Scheine handelt.

Zum Glück streckt jetzt eine ganze Branche begehrlich die Hände nach den schlummernden Fremdmünzen aus: Für karitative Organisationen sind enorme Zusatzeinnahmen die Kehrseite des Medaillenwechsels. Niemand weiß genau, wie viel Gulden, Peseten oder Drachmen unter deutschen Dächern lagern, aber dass es einiges zu holen gibt, ist unbestritten. Zwar haben Nonprofitorganisationen zu allen Zeiten um Spenden gebeten. Doch wo sonst mit anrührenden Bildern für gute Zwecke geworben wurde, ist nun der schnöde Mammon ins Zentrum der Kampagnen gerückt: Unicef bittet um den "letzten Groschen", der Internationale Bund um "Eurocash for Kids", Brot für die Welt fordert zum "Ummünzen" auf. Mit dem Slogan "Geben Sie uns den Rest" sammelt das Rote Kreuz in Europa "Münzen für mehr Menschlichkeit", die Johanniter wollen mit "altem Geld" jungen Menschen helfen, und das Deutsche Kinderhilfswerk begnügt sich mit dem, "was übrig ist".

"Bis zum Ende der Aktion im April 2002 rechnen wir mit einem zusätzlichen Erlös von 10 Millionen Mark", sagt Lübbo Roewer vom Deutschen Roten Kreuz. Rund 40 Tonnen Fremdwährung im Wert von gut einer Million Mark hat das Kinderhilfswerk Unicef gesammelt. Bloß: So einfach wie die sammelnden Samariter an Schlaf-Lira und Schlummer-Peseten kommen, so schwierig ist es, den Beinahe-Metallschrott in eine Gutschrift auf dem Konto zu verwandeln.

In Deutschland wechselt nur die ReiseBank auch internationales Hartgeld um. "Das Geld kommt vom Wassereimer bis zum Kartoffelsack in jeder erdenklichen Verpackung bei uns an", sagt Uwe Mehltretter von der ReiseBank. "Manch einer unterschätzt dabei das Gewicht der Münzen." Er erinnert sich an eine randvoll gepackte 1,5-Kubikmeter-Kiste, die sich keinen Millimeter bewegen ließ. Die Fahrer mussten den Inhalt in kleinere Beutel umfüllen, ehe sie ihn wie all die anderen Säcke und Kisten mit ihrem 7,5-Tonner in die Düsseldorfer Zählstelle transportieren konnten. Dort sortieren vor allem Hausfrauen und Studenten die Münzen in kleine Kunststoffschachteln, jede Währung in eine andere Box. Mehr als 100 verschiedene Schachteln stehen auf den Tischen der Zähler. Können sie eine Münze nicht zuordnen, schlagen sie in einem 600-Seiten-Fachbuch nach.

Danach wird jede Währung per Hand gezählt, ein Mitarbeiter gibt den Betrag ins System ein, der mit einem 30-prozentigen Abschlag umgehend dem Absenderkonto gutgeschrieben wird. "Die sortierten Münzen kommen in ein Verteilzentrum", sagt Uwe Mehltretter. "Das Geld aus der Eurozone fahren wir von dort selbst mit dem Lkw zur Korrespondenzbank im jeweiligen Land." Nennenswerte Gewinne macht die ReiseBank im Geschäft mit dem Klimpergeld nicht. "Die Sache war eigentlich ein Marketinggag", sagt Mehltretter. "Heute zahlen wir wenigstens nicht mehr so kräftig drauf, dass wir das Angebot einstellen müssen."

Dennoch gibt es günstigere Tauschmöglichkeiten. Brot für die Welt und das Deutsche Rote Kreuz arbeiten mit Coin Co International zusammen. Der Marktführer im Geschäft mit Fremdmünzen wechselt die Bestände zum Schnäppchenpreis von acht Prozent Abschlag. Dafür müssen die DRK-Rubel auch etwas weiter rollen: Die Spender können die roten Tüten in den nächsten Briefkasten stecken, bei einer beliebigen BP-Tankstelle oder einem der zahlreichen regionalen Partner abgeben. Die Post transportiert die Umschläge pro bono und lagert die Geldtüten kistenweise in ihren Briefzentren, bis Coin Co sie zum Weitertransport nach London abholt. Auch der Weg der meisten anderen Geldsäcke führt erst einmal nach England. "Das Technische Hilfswerk bringt unsere Kisten kostenlos zu einer Kölner Spedition", erklärt Eric Mayer von Unicef. "Erst für den Transport zum Münztauschspezialisten Travelex Exchange Corporation in England müssen wir bezahlen."