Die Gebildeten unter uns Verächtern kennen natürlich die schönen Gedanken, mit denen Goethe seinem Sekretär Eckermann am 23. Oktober 1828 dieses Doppelereignis prophezeit hatte. "Mein liebes Eggermännsche", ließ sich der Hofrat in makellosem Hessisch vernehmen: "Mir ist nicht bange, daß Europa nicht eins werde; unsre guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das ihre tun. Es sei eins, daß der deutsche Taler im ganzen Reich gleichen Wert habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechsunddreißig Staaten ungeöffnet passieren könne."

Natürlich konnte Goethe nicht wissen, dass unsere Chausseen heute voller Löcher sind, die Eisenbahn bald ohne Speisewagen rollt und Deutschland kleiner ist, als die Polizey erlaubt. Doch noch ist Platz genug für die "Kühnsten der Krieger" aus dem "Königreich Kabul", wie Goethe sie nannte. Die linke Hand an der Schnupftabakdose und die rechte liebevoll am Saum der Frau von Stein, flüsterte er seinem Sekretär ins Ohr: "Nord und West und Süd zersplittern / Türme bersten, Reiche zittern." Doch nichts sei so schlimm, dass es nicht besser werden könne. "Selbst die Kriege vom Himalaja herab, die so zerstören, haben der gründlichen Einsicht viele Vorteile gebracht."

"Welcher Einsicht?", fragte da das Eggermännsche verwundert. Nun, die Einsicht, dass die Welt schon lange ein großes Ganzes sei. "Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen." Doch anders als Schlegel lehne er einen Kampf der Kulturen ab. "Zwischen Ost und Westen / Sich bewegen sei zum Besten!"

Leider müssen wir hier abbrechen. Goethes Ratschläge für allfällige Friedensverhandlungen waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Natürlich hat's das Eggermännsche ausgeplaudert. Wenn "dunkle Krieger" bockig werden, helfe die persische Methode. "An den Füßen weg nach draußen." Dann sei