Für die Verbraucher hat der Schrecken ein Ende, für die europäischen Banken ist es hingegen ein Ende mit Schrecken: Die EU zwingt sie, ihre Gebühren für Auslandsüberweisungen innerhalb Europas auf das Niveau des inländischen Zahlungsverkehrs zu senken. Ab 1. Juli 2002 sollen zunächst Barabhebungen an ausländischen Geldautomaten weniger kosten, vom 1. Juli 2003 an werden Auslandsüberweisungen und Scheckzahlungen bis 12 500 Euro (ab 2006: 50 000 Euro) dem inländischen Preis angeglichen.

Bislang greifen die Banken bei derartigen Geldtransfers nach Wildwestmanier zu (siehe Grafik). In allen Euro-Staaten mit Ausnahme Deutschlands und Luxemburgs muss sogar selbst der Empfänger noch zahlen. Eine Praxis, die nach der Einführung des Euro-Bargeldes bei den Bürgern auf Unverständnis stößt, wie Romano Prodi befürchtet. Aus diesem Grund machte der Kommissionspräsident der EU sich persönlich für eine Abkehr von dieser Praxis stark. Mit seiner Entscheidung setzte der Ministerrat nun einem jahrelangen und erfolglosen Streit mit den Banken ein Ende.

Vor allem die deutschen Geldinstitute haben sich dagegen gewehrt. Die Entscheidung sei "ein gravierender Eingriff in die freie Preisbildung der Unternehmen". Höhere Gebühren würden ja gerade durch EU-Regulierungen verursacht: So führe die Meldepflicht im Auftrag der Geldwäschebekämpfung bei Auslandsüberweisungen zu teurem Verwaltungsaufwand. Hinzu komme, dass die hohen Stückkosten bei den Überweisungen durch das geringe Aufkommen verursacht würden. Oliver Wolfrum vom Bundesverband deutscher Banken rechnet vor: "In Deutschland verteilen sich die Buchungskosten auf jährlich sieben Milliarden Überweisungen. Dem stehen gerade 16 Millionen Auslandsüberweisungen gegenüber, die pro Stück dann entsprechend mehr kosten." Zudem seien es die national unterschiedlichen Verrechnungssysteme, die eine Verwirklichung der EU-Vorgaben unmöglich machten.

Bankenexperte Rainer Metz von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen mag derlei Argumente nicht mehr hören: "Zuerst waren es die Wechselkursrisiken, mit denen die Banken höhere Gebühren begründeten, jetzt sind es Vorschriften und unterschiedliche Systeme." Dabei diskutierten Verbraucherverbände und Bankenvertreter seit mehr als zehn Jahren über die Schaffung einheitlicher Verrechnungssysteme.

Es gibt wenige Alternativen zur Überweisung ins Ausland. Von 2002 an kann man keine Euroschecks als Verrechnungsschecks mehr mit der Post über die Grenze schicken. Und mit Kreditkarte zu zahlen ist auch nicht immer möglich. "Versuchen Sie mal, ein privates Ferienhaus in Apulien per Kreditkarte anzuzahlen", sagt Verbraucherschützer Metz. Um sich dennoch gegenüber den Banken zu etablieren, testet das Kartenunternehmen Eurocard-Mastercard derzeit ein eigenes Überweisungssystem für Privatkunden. Konkurrent Visa will im ersten Quartal 2002 nachziehen. Wann solche Projekte tatsächlich markreif werden sollen, steht allerdings noch nicht fest.

Bargeld mit Diensten wie Western Union zu versenden kostet fast so viel wie bei den Banken. Und der Zahlungsverkehr per Handy gilt als noch nicht ausgereift. Dienste wie Paybox.de bauen derzeit ein internationales Netzwerk dafür auf: Außer Telefon- und Mitgliedsgebühr sollen keine weiteren Kosten anfallen. "Das wird nur eine Nischenlösung bleiben", ist sich Rainer Metz sicher. Für ihn gibt es keine Alternative zu einem kostengünstigen Geldverkehr, der über die Banken abgewickelt wird. Und der wird demnächst zu verbraucherfreundlichen Preisen zu haben sein.