Die Frage, was Teddybären tun, während die Kinder schlafen, gibt schon lange Anlass zu allerlei Spekulationen. Die meisten Kinder, wie eine Blitzumfrage unter Drei- bis Vierjährigen ergab, vermuten ein heimliches Eigenleben des Lieblingskuschels. In dem Augenblick, wo das Kind die Augen öffnet, liegt er zwar wieder da wie immer, als sei nichts gewesen. Aber da war etwas, so viel ist sicher. Etwas Heimliches und oder vielleicht auch Unheimliches; sicherlich etwas Interessantes. Mindestens ebenso interessant wie das, was Erwachsene tun, wenn Kinder schon im Bett sind. Aber im Gegensatz zu Erwachsenen sind nachtaktive Bären sehr schwer zu erwischen.

Violetta hat das Glück, dass sie, als sie eines Nachts aufwacht und die Bären alle verschwunden sind, von Ameisenbär, der zu klein ist, um aus dem Fenster zu klettern, den entscheidenden Hinweis bekommt: Die Bären sind beim Picknick im Park. Genau so was hatte man ja immer vermutet.

Die Bilder von Michel Gay bewegen sich in ihrer Blaustichigkeit ziemlich genau an der Grenze zwischen gemütlich und zu dunkel. Die Nacht draußen vor dem Fenster wirkt eher verlockend: romantisch blau. Da ist es kein Wunder, dass Violetta ihre Jacke und ihre Gummistiefel anzieht - so viel Erziehung muss wohl sein - und mit dem kleinen Ameisenbär in den finsteren Park hinauszieht. Ohne die Bären könnte man sich doch ein bisschen graulen. Aber sie sind alle auf der Lichtung und mit ihrem Picknick beschäftigt: Honig und dergleichen. Mit ihren blaugraubraun getönten runden Körpern beleben sie die Bilder gerade so weit, dass ein wenig Bewegung in die Nachtfarbe kommt, doch nicht so viel, dass man davon aufwacht: ein Gewimmel in der Dämmerung aus großen Augen, das nächtliche Einsamkeit gar nicht erst aufkommen lässt.

Die zweite wichtige Frage, das heimliche Leben der Teddybären betreffend: Mögen sie es vielleicht gar, wenn man sie dabei erwischt? Ob sie sich dann vielleicht verwandeln oder sonstwie unheimlich werden? Der kleine Leser darf beruhigt kuscheln: Violettas Bären sind gutmütige und freundliche Stofftiere in Blau. Sie tanzen und spielen mit ihr, bis sie am Schluss alle zusammen in einem blauen bärengebauten Indianerzelt schlafen. Geneviève Brisac und Michel Gay geben die freundlichste Antwort auf Stofftierfragen, die ein Kind erwarten kann.

Geneviève Brisac/Michel Gay (Ill.):Das Picknick der Bären

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel; Moritz Verlag, Frankfurt a. M. 2001; 40 S., 19,36 DM (ab 3 Jahren)