Sie trägt dasselbe grüne Kleid wie im ersten Band, darüber allerdings einen grünen Mantel mit Pelzkragen, weil es inzwischen heftig dezembert - Sophie die Rotbunte aus Wiesendorf, Sängerin des Orchesters Die Musikfreunde. Für dieses Jahr ist Schluss mit Tourneen, nur mehr ein einziger Auftritt steht bevor, speziell vor Sophies Wiesendorfer Fans. Zudem ist morgen Weihnachten, und wie es sich gehört, schneit es Grießnockerln.

Leider, wie oft bei Nachfolgebänden witziger Geschichten, kann die Fortsetzung dem Vorgänger nicht das Wasser reichen. Oder, um eine andere Flüssigkeit zu bemühen: Die Bläschen sind raus. Die Anteilnahme, die man dem ambitionierten Landei in Sophie macht Musik schenkte, und wie man ihre Bemühungen, in der Musikbranche Fuß zu fassen, durch alle Stadien von Hoffnung und Enttäuschung miterlebte, von Bild zu Bild überrascht durch die Einfälle des Zeichners (und Autors) de Pennart - dieses peu à peu Hineinziehen und wie nebenbei Fesseln kann der zweite Band nicht liefern. Das innige Mitfreuen über den Erfolg des Orchesters war die logische Folge bewegender Bilder zum Mitfühlen. Hier indes beginnt es mit bloßen Behauptungen, betreffend Glück, Glanz, Ruhm. Wieso ist diese grüne Kuh die Hauptperson?, fragt man sich. Die Gefahr, im Schnee stecken zu bleiben, erster Anflug von Spannung, wird gleich wieder behoben durch einen des Wegs kommenden Lastwagen. Am Steuer Pablo, ein flotter Artgenosse Sophies. Denn diesmal geht es um einen coup de foudre. Kurz gesagt: um l'amour. "Du bist sehr schön heute Abend. Gibt es einen besonderen Grund?" Sehr französisch eben. Für Betrachter unterhalb der Pubertätsgrenze aber vielleicht doch nicht so der Hammer.

Die können sich dafür an den Zeichnungen schadlos halten, in denen sich diverse Running Gags aufspüren lassen. Wie etwa zwei unablässig fechtende Geißlein (in ihrem Desinteresse an allem anderem schon fast autistisch) oder die gemeine Intrige von Sophies dörflichem Verehrer (der nie eine Chance hatte). Oder man bahnt sich mit den Augen einen Weg durchs Foyer des Wiesendorfer Kulturhauses, taucht ein in den Kuddelmuddel aus Schnauzen, die meisten in Form scherzartikelartiger Wurstballons. Oder aber - mein persönlicher Vorschlag - man kauft zum zweiten unbedingt den ersten Band dazu.

Karla Schneider

Geoffroy de Pennart:Sophie feiert Weihnachten

A. d. Franz. von Susanne Härtel; Beltz & Gelberg, Weinheim 2001; 32 S., 24,80 DM (ab 5 Jahren)