Wenn er so weitermacht, ist Michael West die ewige Verdammnis sicher. Leuten wie ihm, seinen Mitstreitern und allen, die sich seines Teufelswerks bedienen, droht Pater Anatoli Ilin mit der klerikalen Höchststrafe. Durch Exkommunizierung der Übeltäter werde man dieser Sünde wehren, ließ die russisch-orthodoxe Kirche am Montag in Moskau verlauten. Auch beim katholischen und evangelischen Klerus kann West nicht auf Milde hoffen, Lebensschützern rund um den Globus gilt er ohnehin als Erzbösewicht.

Der Chef des US-Biotechnikunternehmens Advanced Cell Technologies (ACT) und seine Forscher, so will es scheinen, haben es wirklich getan, das Böse. Erstmals seien in ihren Labors in Worcester, US-Bundesstaat Massachusetts, menschliche Embryonen mit Erfolg geklont worden, hatte ACT am Sonntag in die Welt posaunt. Nach Übertragung des Erbmaterials von Körperzellen in gespendete Eizellen seien in den ACT-Labors mehrere frühe Embryonen herangewachsen.

Allenthalben großes Entsetzen. Spätestens jetzt sei eine wissenschaftlich-technische Revolution in Gang gesetzt worden, die auch die Menschen der westlichen Zivilisationen im Zustand der mentalen Obdachlosigkeit erwachen lassen könnte, "ebenso desorientiert wie die Taliban in der Moderne", ahnte FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. "Richtig und noch dringlicher", sagt Hubert Markl, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, sei nun der deutsch-französische Antrag an die Vereinten Nationen, das reproduktive Klonen weltweit zu verbieten.

Oder ist es schon zu spät? Wird er jetzt doch wahr, der viel beschworene Albtraum vom geklonten Menschen, nicht verwirklicht durch den irrlichternden italienischen Reproduktionsmediziner Severino Antinori, sondern im Zuge der kühlen Geschäftsstrategie einer Biotechnikfirma?

Vorerst bestimmt nicht. Man darf dem ACT-Boss und seinen Chefforschern Robert Lanza und Jose Cibelli durchaus glauben, wenn sie beteuern, vom Menschenklonen die Finger lassen zu wollen. Wie viel Geld ließe sich damit schon verdienen, verglichen mit der Vermarktung von Zellersatz aus geklonten Embryozellen?

"Unsere Absicht ist es, lebensrettende Therapien gegen eine Vielzahl menschlicher Erkrankungen zu entwickeln", versicherte Lanza, Vizepräsident für medizinische und wissenschaftliche Entwicklung bei ACT, denn auch prompt. Viel half das nicht. "Verantwortungslos, verbrecherisch und amoralisch", tönte die Entrüstung aus Ministerien und Präsidentenbüros. Geflissentlich übersah man dabei, dass West und Konsorten einen Versuch gestartet hatten, der in den USA nicht illegal und in Großbritannien sogar ausdrücklich erlaubt ist: Die Herstellung von geklonten Embryonen für die Erzeugung von embryonalen Stammzellen ist dort vom Gesetz gedeckt und steht unter der Aufsicht der Human Embryology and Fertility Authority.

"Ein Grund zur Freude", schrieb der Leitartikler des britischen Guardian daher folgerichtig, sei die Nachricht aus dem US-Klonlabor - ein "weiterer Schritt auf dem Weg der Forschung, der zu einem enormen Durchbruch bei der Behandlung von chronischen und degenerativen Krankheiten führen kann".