Wer den Daumen senken darf, der hat die Macht. Im Fernsehen sind es die Zuschauer mit ihrer Fernbedienung. Wie im alten Rom entscheiden sie mit einem Finger über Wohl und Wehe der Gladiatoren. Langweilt einer - zapp, ist er weg.

Das Bundeskartellamt muss diese Freiheit jetzt bewahren. Denn John Malone, der Chef des Medienkonzerns Liberty, kauft sich ein Imperium zusammen, wie es im deutschen Fernsehmarkt noch nie zu sehen war: Er hat die Fernsehkabel der Deutschen Telekom in 13 Bundesländern übernommen und will noch mehr Kabel; er plant, ins Bezahlfernsehen Premiere einzusteigen und sich die Vermarkter von kleinen Abokanälen einzuverleiben.

Willkommen ist der US-Investor, sofern er die Netze betreibt und technisch aufrüstet. Dann hätten mehr Kanäle als bisher Platz, der Verbraucher könnte übers Fernsehkabel telefonieren und im Internet surfen. Die Folge wäre mehr Wettbewerb in allen drei Märkten.

Aber Malone will nicht nur transportieren, sondern auch vermarkten - er möchte die Arena besitzen und gleichzeitig entscheiden, welche Gladiatoren unter welchen Bedingungen das Rund betreten. An einigen besitzt er selbst Anteile. Sie heißen Discovery Channel (Dokumentarfilme) oder QVC (Teleshopping). Käme auch noch Premiere mit seinen Spielfilmen hinzu, fürchten die Konkurrenten, Malone könne sie an die Wand drücken und trotzdem ein attraktives Programm bieten.

Deshalb sollte das Kartellamt erstens verlangen, dass der US-Investor seine Finger von deutschen Fernsehsendern lässt. Zweitens sollte Malone verpflichtet werden, den Zutritt zur Fernseharena zu gleichen Bedingungen für alle zu ermöglichen. Nur so ist ein Mindestmaß an Wettbewerb in einem von Oligopolisten beherrschten Markt zu sichern. Geschieht dagegen nichts, wird es bald Malone sein, der den Daumen im Fernsehen hebt - und vor allem senkt.