"Die Soap ist unterhaltsam und unpolitisch", sagt Shirazuddin Siddiqi, Leiter des Hörspiels bei der BBC in Peschawar. Religiöse und politische Konflikte blendet das Skript aus. "Wir erwähnen weder die USA noch die Taliban. Wir thematisieren zwar auch die Bombardierungen, nicht aber einen bestimmten Feind." Diese Erzählstrategie soll garantieren, dass möglichst viele Afghanen ihre Transistorradios einschalten - egal, was sie politisch denken.

Die Geschichten der Radio-Soap entstammen dem Alltag der afghanischen Gesellschaft. Etwa der Wiederaufbau von Häusern, Hygiene im Haushalt, die Verarztung von Kriegsverletzungen oder der Wert kontroverser Debatten. Die BBC ist stolz auf das Hörspiel. Obwohl es mit 15 Minuten nur einen kleinen Anteil ihres täglichen Afghanistan-Programm ausmacht, sei es "der wichtigste kulturelle Bestandteil", sagt Safia Haleem, Leiterin der Paschtu-Redaktion in London.

Auch die Konkurrenz findet großen Gefallen an der BBC-Serie - die im Äther von Afghanistan genau genommen keine Konkurrenz hat. "Das Format ist einzigartig", sagt Günter Knabe, der selbst Paschtu spricht. Als Chef der Asien-Programme der Deutschen Welle leitet er auch die Afghanistan-Redaktion des deutschen Weltsenders.

Für teure Sonderproduktionen à la BBC ist vor allem jetzt nicht der richtige Zeitpunkt in der Deutschen Welle. "Ein bisschen neidisch bin ich da schon", sagt Knabe. Die 14 Millionen Mark, die der Bund dem Sender dieses Jahr für die Verlängerung der Hörfunkprogramme bereitgestellt hat, welche per Kurz- und Mittelwelle nach Zentralasien gesendet werden, "gehen in die richtige Richtung", sagen Knabe und sein Intendant, Erik Bettermann. Beide wissen, dass die Deutsche Welle seit 1999 über zehn Prozent ihres Gesamtbudgets einbüßen musste. Neue Gelder - und neue Sendezeiten - werden erst realistisch, wenn die (nicht gebührenfinanzierte) ARD-Anstalt ein komplett neues Konzept für die Arbeit der nächsten Jahre vorlegt. Bettermann, der seit Oktober im Amt ist, führt derzeit eine "Zieldebatte" mit den Verantwortlichen im Haus. Dabei erweckt er den Anschein, als repräsentiere für ihn das Afghanistan-Programm, "was die Deutsche Welle alles kann und wer wir sind". Die Krisenregion als Testfall für den neuen Intendanten?

Die Richtungssuche des Senders spiegelt sich in den Sorgen, die Knabes Redaktion umtreibt: Wird ein Bundeswehreinsatz in Afghanistan das bisher unabhängige Programm beeinflussen? Und: Wer sind überhaupt die Hörer in Afghanistan? Über das Land ist so gut wie nichts bekannt. Eine Befragung von 1998 (in pakistanischen Flüchtlingscamps) ist unbrauchbar. Neue empirische Untersuchungen sind notwendig, aber teuer. Immerhin ergab die letzte, dass die Deutsche Welle unter 80 Prozent der Männer bekannt sein soll. Ein Ergebnis, das Mut macht - mehr nicht. Das tatsächliche Hörerverhalten ist völlig unbekannt. Auch die Zahl der Afghanen, die Radios besitzen. Oder ihre Batterien für die BBC-Soap sparen - ein kleiner Witz, der britisch sein muss.

Knabes Team bietet derzeit ein solides Informationsprogramm von täglich 110 Minuten: Nachrichten aus Deutschland, "nicht zu viele". Weltnews, "möglichst objektiv". Reportagen "mit Service für die Leute vor Ort". Hörerbrief-Vorlesen, "leider kein einziger aus Afghanistan".

Im Unterschied zur BBC, die separate Programme für die Sprachen Dari und Paschtu produziert und diese von fünf auf täglich 18 Stunden ausbauen will, sendet die Deutsche Welle ein einziges bilinguales Programm.