Wie leicht es doch sein kann, ins Fernsehen zu kommen: "Nehmen Sie einfach den kürzesten Weg zum Cola-Automaten", instruiert Marco Ammer und weist den Weg mitten durchs Studio - quer durchs Bild. Moderatorin Sumitra Sarma, die ihrem Chefplaner nett zuwinkt, stört es nicht, wenn hinter ihr - und vor der Kamera - Leute vorbeihuschen. Sie dürfen sogar stehen bleiben. Hauptsache, alle fühlen sich irgendwie mit dabei. Denn mit dabei sein ist beim Fernsehkanal NBC Giga der Clou im Konzept.

Wären da nicht die rote Backsteinwand und der PVC-Fußboden - man könnte meinen, über die Kommandobrücke eines Raumschiffs zu flanieren. Und würden die jungen Leute, die geschäftig vor den Flachbildschirmen sitzen, ihre Headphones ablegen, und ständen nicht so viele Kameras herum, sähe alles aus wie in einem Internet-Café. Andere Besucher erinnert das Studio mit der roten Couch, den Postern, Stofftieren und Fußballschals an eine WG-Wohnküche. Giga hat von allem etwas. Ein paar Ungereimtheiten inklusive.

Was im deutschen Fernsehen sonst unvorstellbar wäre, ist beim "Fernsehen für die Generation @" ganz normal. Zum Beispiel, dass Marco Ammer, der Chef vom Dienst, 25 Jahre alt ist und damit zwei Jahre älter als der Durchschnitt der Redaktion. "Da drüben sind unsere Opas: zusammen fast 60 Jahre." Ammer zeigt auf zwei Netzreporter, die ihre Späßchen in die Kamera machen und den Zuschauern gerade einen Internet-Führer für Erwachsene vorstellen.

Während sich beim Sender Viva alles um Musik dreht, hat Giga sich ganz dem Internet verschrieben: In Ressorts wie Stars, Netbeat, Games, Sport & Fun oder Help werden Neuigkeiten aus dem Cyberspace ins Fernsehen gehievt. Und gleichzeitig auf die Homepage www.giga.de gestellt. Sie ist das Herz des Senders. Zuschauer und Vorbei-Surfer treffen sich auf der Website zum gemeinsamen Chatten, Mailen, Voten. Wenn sie wollen, können sie aktiv in die Sendungen eingreifen. Während eines Popstar-Castings des Senders RTL 2 schickte ein Bewerber per E-Mail ein Demo-Video an die Giga-Community - direkt in die laufende Show hinein. Das nahm die Redaktion zum Anlass, den Ablauf zu ändern und alle aufzufordern: "Schickt uns Filmchen, in denen ihr singt und tanzt." Die Einsendungen wurden am selben Tag on air und online vorgeführt.

Hin und wieder müssen sich die "Giganten" auch Kritik gefallen lassen, die sie gerne während der Sendungen thematisieren. "Ich habe massig Mails wegen meiner neuen Frisur bekommen. Sieht die echt so scheiße aus?", fragt Netzreporter Daniel van Moll vor laufender Kamera.

Rund 171 000 Fans haben sich bereits als Mitglieder auf der Giga-Webpage registrieren lassen. Mit über 40 Millionen page impressions im August belegte Giga unter den Online-Angeboten deutscher TV-Sender den vierten Platz - hinter RTL, Sat.1 und ProSieben. Im Sommer wurde Giga mit dem erstmals verliehenen Grimme Online Award ausgezeichnet - dafür, dass "Web und TV zu einer sinnvollen Einheit verschmolzen werden", so die Begründung. Die viel beschworene "Medienkonvergenz" schafft das Unterhaltungsfernsehen Giga mit links. Was zur Folge hat, dass das 100-köpfige Team in Düsseldorf nicht nur Sendungen produziert und Websites pflegt, sondern auch täglich eine Unmenge von E-Mails beantworten muss. Miriam Pielhau, Moderatorin und Chefredakteurin, erhält allein bis zu 1000 Zuschriften pro Tag.

Nun wird Giga am 30. November drei Jahre alt - und das wird ausgiebig gefeiert. Mit einer 24-Stunden-Live-Sendung, Promis, allerhand Rekorden und auch ein paar echten Zuschauern. "Am Geburtstag dürfen auch unsere Fans ins Studio kommen", sagt Miriam Pielhau. Man wolle einen neuen Rekord im SMS-Speed-Tippen und im Lkw-Rückwärtsfahren aufstellen, die kürzeste Moderation aller Zeiten präsentieren und die längste Zuschauer-Gruß-Aktion: Winken aus dem Netz gewissermaßen. Ein Rekord ist Giga so gut wie sicher: Wenn nichts schief geht, wird die 24-Stunden-Show die "längste Live-TV-Sendung, die es je gab".