Der Jude zieht seine Schuhe aus und betritt die Moschee. Der Imam lächelt und reicht ihm die Hand. "Hallo, Bruder", sagt der Jude, und der Muslim sagt es ihm nach. Ihre Hände berühren sich, und ihre Köpfe senken sich, verneigt in Respekt. Der Imam geht Richtung Mekka, und der Jude folgt ihm. Sie setzen sich neben den Mihrab, die Gebetsnische, und der Jude lächelt die Muslime an, die zu seinen Füßen sitzen, um ihn zu hören. Es ist Samstagabend, und in der Moschee der Islamic Society of Bay Ridge in Brooklyn richten sich die Augen von hundert muslimischen Männern auf den jüdischen Rechtsanwalt Stanley Cohen. "As-salam alaikum", sagt Cohen auf Arabisch. "Wa alaikum as-salam", erwidern die Männer. Sie verengen die Augen in Verwunderung. Tuscheln. "Ich wünsche euch alles Gute", sagt Cohen. "Und denen unter euch, die für das FBI arbeiten, wünsche ich auch alles Gute." Die Männer lachen.

Der Mann, zu dem sie aufschauen, ist ein Verteidiger. Er verteidigt Menschen, die nach seiner Überzeugung keine andere Schuld auf sich geladen haben, als für eine gerechte Sache zu kämpfen, mit welchen Mitteln auch immer. Als Anwalt, der zu seinen Klienten den politischen Führer der Hamas zählt, ist er es gewohnt, auf der Anklagebank der öffentlichen Meinung zu sitzen. Als jüdischer Anwalt, der Verständnis für muslimische Terroristen hat, die im Namen Allahs Flugzeuge in Hochhäuser steuern, muss Stanley Cohen in diesen Wochen vor allem sich selbst verteidigen.

Cohen, 47, ist ein erfahrener Agitator. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center ist er das Gesicht einer immer kleiner werdenden Gruppe amerikanischer Juristen: Verteidiger von Muslimen, die der Zusammenarbeit mit Osama bin Ladens terroristischem Netzwerk Al-Quaida verdächtigt werden.

An diesem Abend warnt Cohen die Männer - die meisten von ihnen Palästinenser und illegal in Amerika - vor den Agenten des FBI. Mit Gefühl für die Pointe. "In guten Zeiten ist Amerika gut zu vielen Leuten, und in schlechten Zeiten ist Amerika schlecht zu vielen Leuten", sagt Cohen und schweigt für einen Moment. "Dies sind schlechte Zeiten."

Er vergleicht diese Zeiten mit den vierziger Jahren in Amerika, in denen Japaner interniert wurden. Mit den fünfziger Jahren, in denen McCarthy die Kommunisten verfolgte. Den sechziger Jahren, in denen das FBI Schwarze bespitzelte. "Wir befinden uns wieder in einer dieser hässlichen Zeiten", sagt Cohen. "Die sonntags in die Kirche gehen, haben nichts zu befürchten. Sie suchen nach Leuten, die fünfmal am Tag beten." Er rät den Männern, nicht ohne einen Anwalt mit Agenten des FBI zu sprechen. "Denkt daran, Brüder, man redet sich nie aus Schwierigkeiten heraus; man redet sich immer in Schwierigkeiten herein."

Es ist dieselbe Strategie, die Cohen mit einem Mandanten verfolgt, an dem das FBI seit langer Zeit interessiert ist. Moataz Al-Hallak war Imam einer Moschee in San Antonio, Texas, als 1998 in den amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania Bomben explodierten. Das FBI behauptete damals, finanzielle Verbindungen zwischen Al-Hallak und Osama bin Laden gefunden zu haben. Doch die Indizien reichten nicht für eine Anklage. Vergangenes Jahr zog Al-Hallak nach Laurel, Maryland. Es ist derselbe Ort, an dem die Männer, die das Flugzeug ins Pentagon steuerten, die letzten Wochen ihres Lebens verbrachten.

Das FBI hat im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September keine Vorwürfe gegen Al-Hallak erhoben. Doch bei einer Pressekonferenz nannte ein Agent den Namen des Imams. Die Behörde wolle wissen, ob der Imam über die Anschläge gesprochen hat, bevor sie stattfanden. Cohen ist überzeugt, dass die Behörde seinen Mandanten zum Reden bewegen will, indem sie seinen Namen durch den Dreck zieht. Er empfahl Al-Hallak, nicht mit dem FBI zu sprechen, und der Imam folgte seinem Rat.