Regine Hildebrandt hatte noch etliche Termine diese Woche. Gerade hatte sie die Schirmherrschaft übernommen für das neue Projekt spendenportal.de, eine Internet-Seite zur Förderung gemeinnütziger Vereine. Vor ein paar Tagen erst war sie vom SPD-Parteitag erneut in den Bundesvorstand gewählt worden - mit dem besten Ergebnis aller Kandidaten. Im Kommunalwahlkampf in Brandenburg hetzte die schwer Kranke bis zuletzt von Auftritt zu Auftritt. "Natürlich gibt es auch Phasen, in denen es mir richtig elend geht", bekannte sie. "Aber es ist dann immer die Preußin in mir, die sagt: Was man angefangen hat, das bringt man auch vernünftig zu Ende."

Die 89er Revolution brachte die Biologin in die Politik, über die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt kam sie zur Ost-SPD. Kirchlich erzogen und DDR-sozialisiert, mochte sich Hildebrandt nicht abfinden damit, dass es eben Gewinner gibt und Verlierer in einer Gesellschaft. Ihr Gerechtigkeitssinn war rigoros. Sie litt, wenn sie andere leiden sah. Zehn Jahre - erst in der Regierung de Maizière, dann in Brandenburg - war sie Sozialministerin, verstand sich dabei als oberste Sozialarbeiterin. Und sie machte der PDS das Monopol streitig auf den Titel "Stimme der Ostdeutschen". Vor zwei Jahren legte Hildebrandt ihr Amt nieder, weil sie nicht mit der CDU koalieren wollte. Trotzdem - oder deswegen? - war sie auch im Oktober noch die beliebteste Politikerin in Ostdeutschland.

Ehrlich und authentisch wollte sie immer bleiben. Genauso ging sie auch mit ihrem Brustkrebs um. Offen sprach sie über Operation und Chemotherapien. Sie fragte, warum sich für die Volkskrankheit Brustkrebs kaum jemand interessiere. Sie forderte die Zulassung aktiver Sterbehilfe in Deutschland. In der Nacht zu Dienstag ist Regine Hildebrandt im Alter von 60 Jahren gestorben.