Am Donnerstag fliege ich von Stuttgart nach Berlin, zur Pressekonferenz in die Alte Nationalgalerie. Aufgeregt bin ich diesmal nicht. Im Sommer, als das fertig sanierte, aber noch ganz und gar leere Museum hergezeigt wurde, war das anders. Es war der erste Bau auf der Museumsinsel, der abgeschlossen war. Mit "Demut und Delikatesse" habe ich die Nationalgalerie restauriert, schrieb damals die FAZ . Das hat mich schon sehr gerührt. Nun steht die Kunst im Mittelpunkt. Wir sind ins zweite Glied gerückt. Das ist angenehm. Nachmittags muss ich zurück nach Stuttgart.

Denn am Freitag setzen wir uns bei Mercedes zusammen, wo gerade ein Architekturwettbewerb für ein neues Museum läuft, den wir organisieren. Mittags fliege ich wieder nach Berlin, ich muss mit Klaus-Dieter Lehmann, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Peter-Klaus Schuster, dem Direktor der Nationalgalerie, zum Rundfunk. Abends haben wir eine kleine Feier für das gemeinsam Erreichte. Es waren ja allein in meinem Büro bis zu 14 Architekten an der Generalinstandsetzung beteiligt.

Samstag hole ich meine Frau vom Flughafen ab und muss wohl mit ihr in die Stadt. Bleibtreustraße und so: Berlin lädt ja mittlerweile zum Shoppen ein. Bis vier Uhr, dann bin ich erlöst und kann vielleicht im Einstein sitzen, was ich gerne tue. Abends ist "Keine Reden, kein Essen, kein Geld" angesagt - so heißt die Preview für die "Freunde der Nationalgalerie". Die bekommen schon am Samstagabend das neu eingerichtete Museum zu sehen.

Am Sonntag , um 11 Uhr früh, wird es ernst. Der Kanzler ist da, und die Alte Nationalgalerie wird offiziell eröffnet. Eigentlich kann sie nur Everybody's Darling werden. Die Kunst - Caspar David Friedrich, Max Liebermann und die französischen Impressionisten - kann doch jeder genießen. Deren avantgardistischer Auftritt ist so weit weg, der regt niemanden mehr auf. Und die Architektur hat sich auch so gesetzt, dass alle Geschmacklosigkeiten, die darin zu finden sind, längst als angenehm empfunden werden. Wir sollten nicht hochmütig werden, wenn es ein Erfolg wird. Nach einem familiären Mittagessen mit den Mitarbeitern im Kreuzberger Restaurant Jolesch möchte ich mit meiner Frau noch ein bisschen die Stadt ansehen. Raus nach Zehlendorf, zu Onkel Toms Hütte von Bruno Taut - Architektur der Zwanziger eben. Die neue drückt sich einem ja ohnehin überall aufs Auge.

Montag muss ich den ganzen Tag ins Berliner Büro. Natürlich werden wir auch die Zeitungen durchsehen. Man ist schon neugierig, ob der Weg, den man zu gehen versuchte, auch anerkannt wird. Wir haben ja nichts gemacht, was laut "Hallo, hier bin ich!" schreit, nur versucht, das Vorgefundene zu "verbessern". Das Wichtigste dabei war, uns so weit wie möglich zurückzunehmen: aus Respekt für das Haus und die, die vor uns daran arbeiteten. Und darauf zu achten, dass sich das, was wir jetzt gemacht haben, so selbstverständlich einfügt, dass es erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Im Wesentlichen jedoch wird es heute um die Staatsbibliothek Unter den Linden gehen, auch so ein alter Koloss aus dem Kaiserreich. Wir müssen mit dem Entwurf für die Instandsetzung weiterkommen. Da gibt es viele Ecken, die nur sehr schwer in den Griff zu kriegen sind. Abends fliege ich nach Stuttgart zurück; ich unterrichte in Pforzheim an der Hochschule für Gestaltung im Fach Visuelle Kommunikation.

Dienstag müssen wir uns sputen, für den Dresdener Wettbewerb um das Militärhistorische Museum steht eine Präsentation bevor. Aber Mittwoch bin ich auch noch im Stuttgarter Büro, Erde 2.0 steht an, die Zukunftsausstellung des Landes Baden-Württemberg. So etwas ist ganz selten: zwei Tage am Stück ohne Störungen im Büro zu sein. Das habe ich aber am liebsten, mal eine ganze Zeit mit meinen Mitarbeitern zusammenzusitzen und konzentriert arbeiten zu können. Nicht nur Händeschütteln. Diese ganzen Repräsentationspflichten, das war schon lästig.