Die wirkungsvollsten Geschenke sind fraglos diejenigen, die sich der Beschenkte nicht vorher ausgesucht hat, sondern die als Überraschung daherkommen. Gleichzeitig sollen sie "passen". Und damit fängt das Dilemma auch schon an.

Jedes Geschenk impliziert eine eingeschränkte Wahl, erinnert uns der Ethnologe Marshall Sahlins: Geschenke und "Geschenke" funktionieren keineswegs für alle Beteiligten auf die gleiche Weise. Denn, wie es schon Don Vito Corleone, jener Klassiker amerikanisch-sizilianischer Sozialphilosophie, auf den Punkt gebracht hat: Ein Geschenk ist "ein Angebot, das man nicht ablehnen kann".

Wer ein Geschenk ablehnt, lehnt den Geber ab. Jeder Weihnachtsmann ahnt dies - und in eine solche Situation möchte er weder sich selbst noch die beschenkte Person bringen. In Geschenken, lehrt der französische Soziologe Marcel Mauss, werden die Grenzen zwischen Menschen und Dingen fließend. Und dabei kann unendlich viel schief gehen.

Denn Liebesgaben zielen gewöhnlich darauf ab, ihre Empfänger zu verwandeln. Die griechischen Mythen stellen nicht umsonst die Gefahren solcher Geschenke heraus. Der Weihnachtsmann sollte also kurz darüber nachdenken, ob seine Gabe die beschenkte Person in das verwandelt, was er selbst möchte, oder in etwas, in das sich die Beschenkte verwandeln will; das ist gewöhnlich nicht dasselbe. Kurz, der Weihnachtsmann ist in Schwierigkeiten, weil Geschenke eben keine Kleinigkeiten, sondern machtvolle Instrumente sind.

Man kann das Risiko des Scheiterns beim Schenken verringern, indem man einige Regeln beachtet. Die erste betrifft die Abschaffung der Vorgeschichte: Nicht als Wiedergutmachung oder Reaktion auf Vorgefallenes darf das Geschenk erscheinen, sondern als einzigartige Gabe, direkt "aus dem virgin soil der Seele", wie Georg Simmel das 1908 mit schönen englischen Fremdwörtern formuliert hat.

Deswegen darf das Präsent auch kein hastiges Gegengeschenk sein. Empfangene Geschenke dürften nicht gleich wieder vergolten werden, mahnen unisono Seneca und Thomas von Aquin - damit schmähe man den Geber. Also nicht allzu viel Eile, lieber Weihnachtsmann. Geschenke entfalten ihre Wirkung nicht als Erfüllung, sondern als Versprechen von Möglichkeiten. Die bezauberndsten Geschenke sind diejenigen, die die Empfängerin noch nicht bekommen hat, deren Ankunft sie aber ahnt - eine erwartete Unerwartbarkeit also.

Geschenke dürfen den Empfänger zu nichts verpflichten. Sonst wird die beschenkte Person, mit Montaigne, sehr rasch finden, dass nichts so teuer sei wie das, was einem geschenkt worden ist: "Wenn ich etwas kaufe, gebe ich Geld", seufzte der französische Edelmann, "wenn ich etwas geschenkt bekomme, muss ich mich selber dafür geben."