Diese selbstgefällige "Ich schenke eben anders"-Attitüde ist leider nicht nur bei Exwaldorfschülern sehr verbreitet. Das Geschenk soll nicht mehr primär eine Freude machen, sondern zeigen, dass der Geber ein nachdenklicher Mensch voller Gedankentiefe ist. Meine beste Freundin ist da leider keine Ausnahme. Sie verehrte mir letztes Weihnachten ein Glasfläschchen mit selbst gesammeltem Sand vom Strand des Toten Meeres.

Diese Gabe wurde nur noch von meiner Cousine getoppt, die jedem Familienmitglied mit großer Geste eine Locke ihres zweijährigen Sohnes überreichte. Schuld sind wie immer die Medien. Dieses Jahr begnügen sich die zahlreichen Geschenkesupplements nämlich nicht mehr damit, nur sinnlose Geschenke anzubieten, dieses Jahr muss es sinnlos und hintergründig sein.

Das Christmas-Extra der Deko-Illustrierten "modern living" zum Beispiel verspricht 99 prozentige Kitschfreiheit und hält Wort mit einer witzigen Kehrschaufel, auf der "Junk de Luxe" gedruckt ist. Total ironisch auch ein Liebespärchen aus Plastik. Der Gag: Stellt man die beiden nah genug aneinander, ziehen sie sich per Magnet zum Dauerkuss an.

Auch die Frauenzeitschrift "Freundin" gibt sich trendbewusst antimateriell und propagiert selbst gekochte Geschenke. "Weihnachtsgrüße aus der Küche". Zum Beispiel einen griechischen Safranlikör auf Ouzo-Basis.

Da sind mir die verchromten Hanteln und die Perlendosen im Dreierset aus der vorherigen Ausgabe schon lieber, das ist wenigstens ehrlich doof, ohne tiefere Botschaft. Warum wir ein 540 Mark teures Sitzkissen aus Krokoleder mit Gumminoppen an der Unterseite kaufen sollen, wie es unlängst im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" empfohlen war, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben. Warum nehmen wir nicht einfach all unseren Mut zusammen und schenken eine CD oder ein Buch? Old-School-Kracher, ganz ohne Hintergedanken.