"Eintracht auf dem Petersberg" herrscht laut "tageszeitung". Einer der letzten Streitpunkte bei der Bonner Afghanistan- Konferenz scheint ausgeräumt zu sein: "Nordallianz billigt Einsatz von Friedenstruppen", meldet die "Süddeutsche Zeitung". Währenddessen steht die "Taliban-Hochburg Kandahar vor dem Fall", wie der "Tagesspiegel" berichtet, doch die "Bild" meldet, Taliban-Chef Mullah Omar habe einen "Kampf bis zum letzten Blutstropfen" angekündigt.

Alles in allem kann US-Präsident George W. Bush mit den Erfolgen seiner Afghanistan-Kampagne zufrieden sein. Weniger freuen wird ihn, dass einer der größten Financiers seiner Wahl-Kampagne, der texanische Energiekonzern Enron, vor dem spektakulären Aus steht: "In den USA droht die größte Pleite der Geschichte", meldet dazu die "Welt". Auch in Deutschland fordert die weltweite Wirtschaftsflaute weitere Opfer. Die Zahl der Arbeitslosen steigt auf mehr als 3,7 Millionen, und Bundesfinanzminister Eichel verfehlt laut "Handelsblatt" sein Etatziel: "Schuldenabbau dauert länger".

Es herrscht allgemeine Ratlosigkeit, und auch vom Nationalen Ethikrat, der sich mit den Problemen der Biomedizin beschäftigt hat, kommen keine klaren Signale. Der hat sich jetzt zwar für einen Stammzellen-Import ausgesprochen, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, aber das Meinungsbild in dem 25-köpfigen Gremium war extrem uneinheitlich. So hat man sich auf eine Reihe strenger Auflagen verständigt, die beim Import menschlicher embryonaler Stammzellen eingehalten werden müssen. Ein Minderheitenvotum fordert ein Moratorium, weil in der Sache noch Klärungsbedarf bestehe.

Phase I

Wenn jetzt die Erfolge der Petersberg-Konferenz gefeiert werden, müssen sich die Veranstalter die Frage gefallen lassen, wie weit ihre Resultate tragen. Elke Windisch vom "Tagesspiegel" ist skeptisch. Sie weist darauf hin, dass das "Instrumentarium abendländischer Demokratie" und die "Mechanismen einer demokratischen Willensbildung" in Afghanistan nur bedingt greifen. Zweifel an der Lebensfähigkeit der Absprachen lasse allein schon der Rang der Unterhändler aufkommen, denn in Bonn verhandelten "nicht die Warlords und nicht die Spitzenpolitiker der vier großen Interessengruppen, sondern lediglich die Granden der zweiten Reihe" - ein Risiko in der streng hierarchisch organisierten Stammesgesellschaft Afghanistans.

Die "Frankfurter Allgemeine" kennt eine Antwort für dieses Problem, und die heißt: Auf die Afghanen kommt es sowieso nicht an. "Überließe man Afghanistan mit seinen rivalisierenden oder verfeindeten Stämmen und politischen Gruppen sich selbst, wäre das Ergebnis vorherzusehen: Der Bürgerkrieg ginge - bestenfalls auf niedrigerer Flamme - weiter [...] Vermutlich würden über kurz oder lang die ruchlosesten Kräfte die Oberhand behalten". Da gibt es nur eins: "Eine internationale Truppe, die Frieden erzwingen oder halten muß, die den zivilen Helfern aller Arten unter die Arme greift und sie schützt, ist also unerläßlich." Nur, wie die aussehen soll, weiß auch der Kommentator der "Frankfurter Allgemeinen" nicht zu sagen. Er delegiert das Problem an den Nato-Rat: "Wo, wenn nicht dort, könnte es kompetent behandelt werden?"

Kein Zufall, dass in der "Welt" der Schriftsteller Hans-Christoph Buch von einer "paternalistischen Herablassung" spricht, die in den deutschen Medien zum Thema Afghanistan vorherrsche. "Die mit Arroganz gemischte Ignoranz gegenüber der fremden Kultur gipfelt in der unrealistischen Erwartung, ein durch zwanzig Jahre Krieg und Diktatur gebeuteltes Land müsse über Nacht zurückkehren zu Frieden und repräsentativer Demokratie."