"Merkel macht der CDU Mut / ‚Augenmaß, Ehrlichkeit, Brückenbau'" titelt die "Frankfurter Allgemeine", die auch heute wieder ganz in Schwarz erscheint. "CDU signalisiert Merkel Rückendeckung", schreibt der "Tagesspiegel", der wenigstens ein bonbonbuntes Foto von Merkel, Meyer und ein paar politisch missbrauchten Blumen über die Schlagzeile klebt. Die meisten anderen Tageszeitungen machen mit Krise in Nahost auf. "Israel bombardiert Gaza-Stadt", titelt die "Süddeutsche Zeitung", "Scharon hat Arafat im Visier", präzisiert die "tageszeitung", "Israel ruft ‚Krieg gegen den Terrorismus' aus", schreibt die "Welt". Das "Handelblatt" beschäftigt sich mit dem Einstieg des schwedischen Energieversorgers Vattenfall bei der Berliner Bewag - "Neuer Riese am Strommarkt". Die "Bild" eignet sich auch heute wieder nur zum Einwickeln des Butterbrotes.

"K wie Klatschen"

90 Minuten lang hat Angela Merkel in Dresden gesprochen. Aber hat sie auch etwas gesagt? Nicht viel, auch nicht auf dem wichtigen Feld der Wirtschaftspolitik. "Wenn Merkel der rot-grünen Koalition ‚Schönfärberei' vorwirft, dann stimmt das", kommentiert Ulrike Herrmann in der "tageszeitung". "Die Erwerbslosigkeit wird steigen, der Haushalt ist gefährdet; und heute wird der EU-Finanzrat mahnen, dass Deutschland die Stabilitätskriterien von Maastricht gefährden könnte. Die Regierung hat in der Tat ‚an Schwung verloren', wie ‚Angie' diagnostiziert. Nur hat die Opposition keinen Schwung gewonnen. Jedenfalls nicht inhaltlich". Auch in den Fragen der Zuwanderung und der Biopolitik war von Merkel wenig Konkretes zu hören.

"Beides zusammen zeigt, dass Merkel dort, wo sie abweichende Meinungen hat, lieber nicht führt, sondern moderiert, versucht es zumindest", schreibt Stephan-Andreas Casdorff im "Tagesspiegel". "Auch das ist eine Taktik, weniger angreifbar zu sein. Sie hinterlässt einen Eindruck inhaltlicher Leere - stößt aber niemanden in der Partei vor den Kopf. Das ist gewinnbringender: für eine Kanzlerkandidatin. Die muss für ihr Politikangebot, wenn sie gewinnen will, einen möglichst breiten Ansatz wählen."

Merkel hat mit dieser Strategie auf dem Parteitag Punkte machen können. Sie hat die unterschiedlichen Flügel integriert und einen optimistischen, kämpferischen Eindruck hinterlassen, wie die Kommentatoren einmütig schreiben. "Gestern, so könnte man aus Dresden lesen, sind Unklarheiten beseitigt worden: Merkel will gegen Gerhard Schröder antreten. Und die Partei will das auch", resümiert Ansgar Graw unter der schönen Headline "K wie Klatschen" in der "Welt". Damit wäre die leidige Frage, wer Kandidat der Union wird vom Tisch - aber nur für etwa 24 Stunden. Denn heute tritt Merkels Herausforderer Edmund Stoiber in Dresden auf. Und alle werden nach seiner Rede gebannt auf das Applausometer starren.

Deutsche Schüler, schlechte Schüler

Die OECD hat die Bildungssysteme von 32 Ländern untersuchen lassen und die Leistungsfähigkeit der Schüler eruiert. Wie die "Süddeutsche Zeitung" in einem Hintergrundartikel (S. 8) berichtet, sind die Ergebnisse dieser Pisa-Studie beschämend: Hinsichtlich ihrer Lesefähigkeiten kamen die deutschen Schüler nur auf Rang 21, ihr Basiswissen in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern reichte ebenfalls nur für einen Platz im hinteren Drittel. Außerdem stellte sich heraus, dass die Vorschulbildung in Deutschland katastrophal ist und dass es Kinder aus sozial schwachen Familien außerordentlich schwer haben, auf den Schulen zu reüssieren. Was nun?