Die Schlagzeilen teilen sich jedoch die gescheiterten Koalitionsverhandlungen in Berlin und die Angriffe der Israelis im Gaza-Streifen, denn "Der Konflikt in Nahost eskaliert", wie die "Frankfurter Rundschau" heute auf der ersten Seite schreibt. Ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt sich die "Süddeutsche Zeitung", die aber etwas vorsichtiger in der Formulierung ist: "Israel verstärkt Druck auf Arafat", heißt es dort. Die "tageszeitung" schreibt "Israel umzingelt Arafat" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nutzt eine Doppelüberschrift um die Lage zu schildern: "Israel greift Autonomiebehörde an. Arafat bringt sich in Sicherheit." Bei der "Welt" finden sich beide Themen des Tages, an erster Stelle jedoch "Berliner Ampel-Bündnis ist geplatzt." Ein Thema, das auch der "Tagesspiegel" und das "Handelsblatt" auf die Titelseiten gehoben haben. Selbst die "Bild" mag da nicht zurückstehen und man kann sich den Unterton der Schlagzeile denken: "Regiert Gysi bald Berlin?"

SPD allein zu Haus

Still und heimlich saßen sie die letzten Wochen an einem Tisch. Viel gehört hat man nicht, aber das lag wohl auch daran, dass man sich nicht viel zu sagen hatte. In Berlin sind die Koalitionsverhandlungen geplatzt. Und das ist gut so, vermuten die Kommentatoren, denn geliebt hat die SPD die schwierigen Verhandlungen mit FDP und Grünen nicht, wie Jörg Schindler in der "Frankfurter Rundschau" bemerkt. "Wer weiß, vielleicht hat die Berliner SPD am Ende tatsächlich auf Abbruch verhandelt. Vielleicht wurden Günter Rexrodt und die Seinen von Wowereit & Co aus Kalkül am Nasenring durch die Steuerarena geführt. Vielleicht haben die Sozialdemokraten sich deswegen durch zermürbende Nachtsitzungen gequält, um dem PDS-phobischen Teil der Öffentlichkeit und dem Kanzler signalisieren zu können: Seht her, wir haben es versucht." Tatsächlich wollte wohl der Kanzler etwas zusammenzimmern, was nicht zusammengezimmert gehört. Aber eine Rot-Rote-Koalition im Wahljahr. Und dann noch an exponierter Stelle wie in Berlin?

Wer mag ihm seine Vorsicht verdenken, liest man den Kommentar in der "Welt": "Platzierter hätte das Eigentor des SPD-Hoffnungsträgers nicht sein können. Welchen Weg Wowereit auch wählt, es führt ihn in die Sackgasse: Koaliert er nun, wie insgeheim angestrebt, mit der PDS, wird der lächelnde Schweiger im Gysi-Senat untergehen. Keinen Stich wird er gegen Deutschlands größten Rabulisten bekommen. Und wendet er sich - in die Enge getrieben - doch der CDU zu, macht er sich lächerlich. Ernsthafte Politik ist etwas anderes." Alles halb so schlimm, meint die "tageszeitung", die der PDS kaum Handlungsspielräume zubilligt. "Rot-Rot wird nicht nur die konservativen Fundis ernüchtern, sondern auch manche Linke. Denn Rot-Rot ist vor allem eine aus der Not geborene, pragmatische Koalition. Sie wird kein linkes Reformbündnis, kein symbolisches Ende der Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, sondern ein Sparsenat. Ein rot-roter Senat wird kein Projekt, so wie Rot-Grün es einmal war. Rot-Rot wird, bestenfalls, eine hübsche Pointe: die Normalisierung der PDS durch den Zwang zum Verzicht."

Etwas anders sieht das der "Tagesspiegel" aus Berlin. "Eine rot-rote Koalition befördert die Anti-Kriegspartei PDS, die auch eine Anti-Bündnis-Partei ist, in eine politisch exponierte Position. Sie wird - wenn die Koalition gelingt - der Aufwertung dieser Partei den Weg bereiten. Und der Kanzler sprach sich nicht nur für die Ampel-Koalition aus, um sich außenpolitisch keine Blöße zu geben. Die Ampel-Koalition sollte auch das Feld für den Wahlkampf des nächsten Jahres abstecken."

Schäfchen an die Macht

Der Parteitag der CDU hat vor allem in einem Punkt Klarheit gebracht. Die CDU Mitglieder sind imstande auf die Sekunde genau Applaus zu verteilen, was durchaus einen Eintrag im Guinness-Buch wert sein kann. Auch nach der Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ist die "K-Frage" nicht durch den Applaus gelöst worden. Eher das Gegenteil brachte das Treffen zustande. Stoiber hielt sich zurück und proklamierte die Mannschaft als den kommenden Star. Doch vor allem Angela Merkel sammelte Sympathiepunkte, so das Resümee der Kommentatoren. Die "Welt", die euphorisch von einer Partei, die wiedergeboren den Wettbewerb liebt, spricht, lobt Angela Merkel, samt ihren Kurs gegen über der CSU in den höchsten Tönen. "Die Konkurrenz zur größten dieser Unionen, zur bayerischen CSU, bleibt bis auf weiteres bestehen, wird an Schärfe vielleicht sogar noch gewinnen. Die CDU kann diese Konkurrenz in Zukunft allerdings ruhiger und selbstbewusster angehen als bisher. Das ist die vorläufige Bilanz von Dresden, und die ist ein Verdienst von Angela Merkel." Zu einer völlig anderen Wertung kommt da die "Frankfurter Rundschau", die Stoiber als klaren Punktsieger im Rededuell sieht. "Angela Merkel, die hinter Stoiber eine zeitlang so aussah wie eine Eckfahne im Wettrennen mit dem Flügelflitzer, darf nach der Rede vom Montag wenigstens weiter mitlaufen. Stoiber aber machte den Eindruck, als habe er sein Dribbling zur Kandidatur vor den CDU-Delegierten nur abgebrochen, um die Gegnerin nicht vor der Zeit vor heimischem Publikum zu demütigen." Überhaupt scheinen Bilder die Kommentatoren zu beschäftigen.