Im Krieg gegen die Taliban, so nun der lastende Verdacht, sind möglicherweise auch von deren Gegnern Kriegsverbrechen begangen worden, etwa bei der - so wird das berichtet - bei der Niederschlagung einer Gefangenenrevolte. Was soll's?, mag da der zynisch gewordene Pazifist fragen: Wenn schon der Krieg verbrecherisch ist, kommt es auf die Verbrechen im Kriege auch nicht mehr an, allenfalls als Beweis für die ursprüngliche These. Peinlicher ist die Lage für den, der den ihm aufgezwungenen Notkrieg als Selbstverteidigung hinnimmt, aber eben aus dieser eingeschränkten Legitimation verpflichtet ist, jedes über das Notwendige hinausgehende Leid zu vermeiden. Aber was heißt schon: notwendiges Leid?

Eines aber muss im Kriege klar sein und bleiben, wo immer der "zivilisierte Westen" beteiligt und auch nur mittelbar verantwortlich ist: Der Krieg endet mit dem Sieg (oder mit der Kapitulation) - sowohl über den Gegner insgesamt als über einzelne seiner Soldaten. Wer sich wehrlos in der Gewalt des Gegners befindet, ist nicht mehr im Krieg und ist schonlich, ja ehrenhaft zu behandeln. Und was immer er früher Strafwürdiges getan haben mag - es wird zu einer Sache der Justiz. Rache hat hier kein Recht. Und schon gar nicht die Parole: "Gefangene werden nicht gemacht" - auch nicht in der folgenden Fassung: Gefangene werden niedergemacht.

Wenn diese Grundregel nicht beachtet wird, ist dies nicht nur an sich ein Kriegsverbrechen, sondern auch noch eine politische Dummheit: Denn wer sich nicht an die Regeln hält, die er angeblich verteidigt, liefert moralische Munition an den Feind.

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