Da ging es zwischen den drei Verhandlungspartnern am Ende in der Tat um die Einführung einer Getränkesteuer und einer Motorbootsteuer. Nun mag man über Steuererhöhungen denken wie man will - aber wer glaubt, er könne durch die Einführung von neuen Bagatellsteuern (warum nicht auch eine auf Single-Betten?), deren Erträge kaum die Kosten für die Eintreibung decken dürften - wer glaubt, mit solchen Bagatellen der enormen Haushaltskrise der Hauptstadt auch nur von ferne gerecht zu werden, der gehört entweder auf die Couch oder ins Kabarett. Nein, die beteiligten Verhandlungspartner haben entweder gar nicht - oder zu gut begriffen, was die Stadt braucht, was sie aber nicht leisten können: einen großen strategischen Wurf, dessen Chancen größer sind als die Kröten, die jeder der Beteiligten schlucken muss.

Nun also rot-rot! Man mache sich das nichts vor: Bundeskanzler Gerhard Schröders Chancen auf einen leichten Sieg, der bis vor kurzem als völlig gesichert galt, werden immer schwächer - seit dem Tag, als er sich im Kampf um die Vertrauensfrage letztlich als mutlos erwies. Da mag sich dann auch die Berliner FDP gedacht haben: Weshalb sollen wir uns, um den Preis von symbolisch schädlichen und finanziell unergiebigen Steuererhöhungen an einem rot-grünen (und liberalen) Bündnis beteiligen, wenn wir ohne diese Beteiligung ein paar Monate später im Bund der rot-grünen Koalition umso heftiger zu Leibe rücken können: Wir haben ja in Berlin aus nächster Nähe gesehen, dass dabei nichts herauskommen kann.

Der Kanzler der Mitte aber wird immer mehr, direkt und indirekt, von einer Linken eingezingelt, gegen die er eigentlich regieren und das Potential der Mitte integrieren wollte. Und wenn dann auch noch in Sachsen-Anhalt das Auftreten der Schill-Partei die SPD weiter schwächen sollte, die Arbeitslosigkeit zudem weiter steigen sollte, dann kann es politisch wieder recht eng werden - und spannend. Stoiber steht zwar noch nicht ante portas - aber dass er die Pforte schon einmal inspiziert, ist kein Wunder.

Und: Wer glaubte in der Politik schon an Wunder?

Kommentare und Anregungen sind herzlich willkommen: leicht@zeit.de

Die Beiträge der vergangenen Wochen können im Archiv nachgelesen werden.