Es waren Tage des Glücks. Ein Neuanfang. Romy Schneider hatte ihre Scheidung von Harry Meyen gerade hinter sich, als die Berliner Fotografin Helga Kneidl die Schauspielerin drei Tage mit der Kamera durch Paris begleitet. "Die Mailuft war schwindelerregend", schreibt Christiane Höllger in dem Bildband, der mit drei Jahrzehnten Verspätung die Früchte dieser Begegnung versammelt.

"Sie sah so schön aus", erzählt die Fotografin heute, wenn sie an diesen Mai 1973 zurückdenkt, "Romy gab mir das Gefühl, beste Freundinnen zu sein." Sie kurven mit Romys Sohn Daniel im Mini herum, gehen zu dritt zum Friseur, auf Wohnungssuche, sitzen im Straßencafé. Helga Kneidl, die 20 Jahre am Hamburger Schauspielhaus gearbeitet hat, immer mit dem Fotoapparat in der Hand. "Das hat Romy überhaupt nicht gestört", sagt sie, "Romy hat so getan, als existiere die Kamera gar nicht. Sie war warmherzig, freundlich, spontan und auch witzig. In bester Laune", erinnert sich Kneidl.

Wie sähe der Filmstar heute aus? Mit 63? Wir wollen es nicht wissen, auch das gehört zum Mythos. Auf den überwiegend schwarzweißen Fotos wirkt Romy Schneider alterslos. "Sie besaß eine klassische Schönheit, die von innen kam", so die Fotografin, die ein Jahr jünger als die damals 34-jährige Schauspielerin ist. Dabei sei Romy oft unsicher gewesen. "Wann hört es endlich auf", fragte sie immer, "dass ich mich für andere schön mache?"

Ein Großteil der Fotos könnte von heute sein, das ist die Stärke des Bandes. Aber zu viele, zu ähnliche Motive zerstören auch die Kraft des Besonderen.

In ihrer dritten Pariser Nacht schläft Helga Kneidl in Romy Schneiders Wohnung und bittet die Schauspielerin, ein Kleid anzuziehen; Romy Schneider wählt eines von Yves St. Laurent, mit dem sie Bruno Ganz überraschen will, in den sie verliebt ist. Aus dieser Serie stammt Kneidls Lieblingsbild: "Romys Blick erzählt von hoffnungsloser Sinnsuche", so Kneidl, "ihr Gesicht veränderte sich in Sekundenschnelle, eben noch nachdenklich, dann fröhlich oder verletzt, rebellisch oder liebevoll."

Dann waren die drei Tage in Paris vorbei. "Ich habe sie nie wieder gesehen." Romy Schneider erzeugte eine intensive Nähe - und verschwand. Eine Diva.

Helga Kneidl:Romy - Drei Tage in Paris