... wer unpünktlich ist, der braucht Ausreden. Von meinen Spielern habe ich oft gehört, die vielen roten Ampeln seien schuld gewesen. Nicht sehr originell. Damals in Bremen habe ich für einen meiner Stürmer in einem Kaufhaus mal einen großen Wecker mit zwei riesigen Glocken gekauft. Gunnar Sauer, so hieß er, hat ihn brav mit nach Hause genommen und auf den Nachttisch gestellt. Von da an war er pünktlich.

Ein Lob auf die alten Tugenden?

Ich werde damit gerne in Verbindung gebracht, und ich bleibe dabei: Wir müssen unsere Werte an die Kinder, an die nächste Generation weitergeben.

An eine Generation in noch schnelllebigerer Zeit.

Was gerne vergessen wird. Man muss warten können, das gilt auch für den Fußball. Es gibt diese Phasen, in denen uns der liebe Gott eben keinen außergewöhnlichen Spieler auf die Erde schickt. Okay, wir haben Deisler und Ballack, aber die sind noch ziemlich unreif.

Alles eine Aufgabe des lieben Gottes? Hilft wirklich nur beten?

Wer Klaviervirtuose werden will, der muss die besten Lehrer haben. Haben wir die? Nein! Die Spieler sind allzu oft schlecht ausgebildet. In den Vereinen werden Biorhyhtmen hin- und hergewälzt, in dicken Kladden Theorien nachgelesen, dabei geht es im Fußball eigentlich nur darum, im entscheidenden Moment einen sauberen Pass zu schlagen. Also muss man mit dem Ball üben, wieder und wieder. Stattdessen ist Krafttraining plötzlich in Mode. Dabei läuft niemand im Spiel mit einer Hantel durch die Gegend.