die zeit: Es gibt interessante technische Entwicklungen in der Herstellung von Fasern und Geweben. Ist die Textilindustrie nach zwei Jahrzehnten Krise wieder eine Zukunftsbranche?

Corina Hillebrand: Das muss man differenziert betrachten. Was die Inlandsproduktion angeht, wird sich der Auszehrungsprozess fortsetzen. Die Verlagerung von Produktionen ins kostengünstigere Ausland wird anhalten. Wir haben aber Wachstumschancen durch den Export von innovativen und qualitativ hochwertigen Markenprodukten - vor allem bei technischen Textilien.

zeit: Kann man das quantifizieren?

Hillebrandt: Ich erwarte da bis 2005 ein Umsatzwachstum von 20 Prozent.

zeit: Und wie sieht das bei Bekleidungs- und Heimtextilien aus?

Hillebrand: In der Mode sind uns Italiener und Franzosen im Design voraus. Aber die Deutschen können qualitativ hochwertige Bekleidung herstellen. Die Preisstrukturen werden sich weiter polarisieren, und im hochwertigen Segment liegen unsere Chancen. Bei Standardprodukten ist der Konkurrenzdruck zu groß. Das ist bei Haus- und Heimtextilien genauso. Es kommt darauf an, dass die Produkte den Verbrauchern einen Mehrwert in Form eines Qualitäts- oder Funktionsvorteils bieten.

zeit: Wie ist es möglich, dass eine Problembranche wieder so gute Perspektiven entwickelt? Hat sie das aus eigener Kraft geschafft?