Trotz einer Reihe richtiger Beobachtungen muss sich Herr Mühlberg fragen lassen, woher er sein Wissen bezieht, dass die Ostberliner auf die Neustrukturierung Ostberlins "mit Unbehagen und (abwehrend) reagieren". Dies trifft wohl fast nur auf eine - mit Verlaub - ältere Generation zu. Jüngere und Mittelalte akzeptieren ohne ein Gefühl der Melancholie wie selbstverständlich die Vor- und Nachteile der Entwicklung seit 1989.

Christoph Broszies Berlin

Da fällt uns Westdeutschen mit dem Mauerfall der ehemalige Schlossplatz in denn Schoß

leider wird der schon vom Palast der Republik besetzt, und wir können so gar nicht in erquicklichen Erinnerungen an die schöne alte Preußenzeit schwelgen. So hört es sich aus dem berufenen Munde derer an, die heute die Macht in ihren Händen halten. Wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder einen "historischen Identifikationspunkt" sucht und ihn in dem nichtexistenten Schloss findet, so mag dies seine Meinung sein.

Meinen "historischen Identifikationspunkt" finde ich überhaupt nicht in untergegangener preußischer Prachtentfaltung, und auch die Idee, das Schloss wieder aufzubauen, erscheint mir vollkommen absurd. Die Millionen, die ein derartiges Bauprojekt verschlingen würde, sehe ich als Steuerzahler an anderer Stelle (Kultur, Universitäten und Ähnliches) wesentlich sinnvoller verwendet.

Ein Neubau würde das Schloss in keinster Weise wiederauferstehen lassen

er wäre bloß ein kitschiger Abklatsch dessen, was allenfalls in unserer Fantasie und auf altem Film- und Fotomaterial Bestand hat. Das Schloss war historisch in einem langen Prozess gewachsen, ein Neubau hingegen wäre steril und könnte wohl kaum die Aura eines "echten" Schlosses verbreiten.