Im Kosovo fischen wir jeden Tag fünf oder sechs Blüten aus dem Bargeld", sagt Ralf Reitemeier, Manager der internationalen Micro-Bank in Belgrad.

Früher seien es schlecht gefälschte Zwanziger gewesen, heute finde man immer mehr gut gemachte 500- und 1000-Mark-Scheine. Die Banken fürchten, dass Fälscher die Euro-Umstellung ausnutzen, um ihre Produkte unter die massenhaft eingesammelten D-Mark zu schmuggeln. Was der Mark möglicher Weise bevorsteht, hat die Drachme bereits getroffen: In Bulgarien werde die griechische Währung gezielt für die Euro-Umstellung gefälscht, bestätigte ein Insider der bulgarischen Journalistin Swetlana Batalowa.

Seit im April in Plowdiw zwei Fälschergruppen aufgegriffen wurden, gilt Bulgarien als Blütenexporteur Nummer eins. Allerdings werden dort vor allem schlechte Dollarnoten für Zentralasien und den Kaukasus produziert. Tiefdruck etwa, wie er für den reliefartigen Rand des Dollars notwendig ist, kennt man gar nicht. Die Fälscher unterhalten keine eigenen Werkstätten, sondern drucken nachts in ganz normalen Druckereien, oft nur eine Stunde im Monat.

Dabei kommen rund 10 Millionen Dollar zusammen. Falsche bulgarische D-Mark stammen vorwiegend aus dem Farbkopierer und sind gerade bei der Bankeinzahlung leicht zu identifizieren.

Ungewiss ist aber, ob eine Welle gut gefälschter D-Mark noch kommt.

Reitemeier glaubt, dass die im Kosovo gefundenen D-Mark-Scheine im Land selbst produziert wurden. Im nahen Skopje soll es eine Werkstatt geben, die sich auf Hologramme spezialisiert hat, jene silbrig schimmernden Vierecke auf den 50- und 100-Mark-Scheinen. Die Sicherheitsmerkmale werden von Hand aufgetragen. Lohnen könnte es sich auch, alte Fünfziger und Hunderter aus der Zeit vor Mitte der neunziger Jahre nachzumachen. Sie tragen kein Hologramm, kursieren aber - anders als in Deutschland - auf dem Balkan noch immer in großer Zahl. Hintergrund: Deutsche Banken haben sie nicht zerstört, sondern billig dorthin verkauft.