Ein Jahr lang hat er sich in Schweigen gehüllt, aber jetzt zeigt Josef Ackermann sein wahres Gesicht: Er will Macht, viel Macht. Der Schweizer soll im Mai nächsten Jahres Rolf-Ernst Breuer als Chef der Deutschen Bank ablösen.

Der ist "Vorstandssprecher". Aber Ackermann will "CEO" werden: Chief Executive Officer bezeichnet in angelsächsischen Unternehmen den Herrscher aller Reußen. Im Gegensatz zum Vorstandssprecher, der nur Primus inter Pares ist, aber auch zum in deutschen Industrieunternehmen üblichen Vorstandsvorsitzenden, steht der CEO stärker in der Verantwortung, hat mehr zu sagen, verdient mehr und kann sich seine Vorstandskollegen aussuchen.

Zwar erlaubt das deutsche Aktienrecht die Machtfülle eines CEO gar nicht, aber die Deutsche Bank soll sich von ihrer Tradition verabschieden und ein zutiefst angelsächsisch geprägter Konzern werden. Wenn es der Bank nicht gelingt, das Renditeziel von 15 Prozent Gewinn nach Steuern zu erreichen, "bin ich nicht sicher, dass wir in zwei Jahren noch deutsch sprechen", sagt Ackermann. Beide Äußerungen dürften ihn unter seinen Kollegen nicht unbedingt beliebter machen und die ohnehin schon mühsame Übergangsphase von einem Chef zum nächsten weiter erschweren.

Ackermann hätte besser jetzt geschwiegen und später gehandelt. So handelt er sich zur Unzeit Unwillen ein. Aber im Grundsatz hat er Recht. Stets den Konsens von Investment- und Kreditbankern zu suchen - mit diesem Hemmnis lässt sich ein Finanzkonzern nur schwer lenken. Er muss aber schnell reagieren können auf allen Teilmärkten, um mit der globalen Konkurrenz mitzuhalten.

Diese Woche hat die Dresdner Bank ihren Sprecher Bernd Fahrholz in Vorstandsvorsitzenden umbenannt. Die Botschaft: Das Konsensprinzip in Deutschlands Banken hat ausgedient. Und das ist unter den Wettbewerbsbedingungen auch richtig so.